ver.di zum Tag der Pflegenden: Tempo machen bei der EinfĂŒhrung bedarfsgerechter Personalvorgaben

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AnlĂ€sslich des heutigen Tags der Pflegenden fordert ver.di die rasche EinfĂŒhrung gesetzlicher Vorgaben fĂŒr eine bedarfsgerechte Personalausstattung in KrankenhĂ€usern und Pflegeeinrichtungen. „Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat einen ‚Zwischenspurt‘ angekĂŒndigt. Die BeschĂ€ftigten im Gesundheitswesen haben ĂŒberhaupt kein VerstĂ€ndnis dafĂŒr, dass dabei nicht auch das elementare Problem der viel zu geringen Personalausstattung gelöst werden soll“, erklĂ€rte Sylvia BĂŒhler (Foto), Mitglied im ver.di-Bundesvorstand. SPD, GrĂŒne und FDP hĂ€tten im Koalitionsvertrag versprochen, die PPR 2.0, das Instrument fĂŒr eine bedarfsgerechte Personalbemessung in der Krankenpflege, kurzfristig einzufĂŒhren. Das mĂŒsse nun endlich umgesetzt werden.

„In der Bevölkerung mögen viele die aktuelle Corona-Lage als Atempause wahrnehmen, doch in den KrankenhĂ€usern ist keine Entspannung eingetreten“, berichtete die Gewerkschafterin. Die immer noch hohe Zahl infizierter Patienten und die damit einhergehenden Schutzmaßnahmen sowie PersonalausfĂ€lle durch Krankheit und QuarantĂ€ne bringen eine noch weiter verschĂ€rfte Personalsituation mit sich. „In der Gesundheitspolitik ist unstrittig Tempo gefragt. Warum aber die Cannabis-Legalisierung wichtiger sein soll, als endlich die regelhafte Überlastung der BeschĂ€ftigten abzustellen, erschließt sich nicht. Da sind die PrioritĂ€ten nicht richtig gesetzt“, kritisierte BĂŒhler.

Konkret forderte die Gewerkschafterin die kurzfristige Umsetzung der von der Deutschen Krankenhausgesellschaft, dem Deutschen Pflegerat und ver.di schon im Januar 2020 vorgelegten PPR 2.0. „Die wissenschaftliche Entwicklung eines neuen Personalbemessungssystems dauert Jahre. Die BeschĂ€ftigten erwarten aber jetzt eine Lösung. Deshalb muss die PPR 2.0 als Übergangsinstrument sofort umgesetzt werden.“ Auch in der Altenpflege mĂŒssten die Arbeitsbedingungen durch am Bedarf orientierte und bundesweit einheitliche Personalvorgaben grundlegend verbessert werden, forderte BĂŒhler.

Es mĂŒsse alles getan werden, damit sich die Berufsflucht nicht noch weiter verschĂ€rft, warnte sie. „Pflegepersonen geben ihren Beruf auf, obwohl sie ihn lieben, oder sie reduzieren auf eigene Kosten ihre Arbeitszeit, weil sie völlig ausgepowert sind. Das reißt immer neue LĂŒcken in die Personaldecke. Wenn hier nicht endlich gegengesteuert wird, droht eine ernsthafte Versorgungskrise im Gesundheitswesen – in einem der reichsten LĂ€nder der Welt.“ Mit besseren Arbeitsbedingungen könnten PflegekrĂ€fte hingegen zur RĂŒckkehr in den Beruf bzw. zur Aufstockung ihrer Arbeitszeiten bewegt werden. Eine kĂŒrzlich veröffentlichte Studie der Arbeitnehmerkammer Bremen, der Arbeitskammer des Saarlandes und des Instituts Arbeit und Technik beziffert das Potenzial auf bundesweit mindestens 300.000 Vollzeitstellen, die in der Pflege auf diese Weise zusĂ€tzlich besetzt werden könnten.

Um ihren Forderungen nach mehr Personal und Entlastung Nachdruck zu verleihen, wollen BeschĂ€ftigte am heutigen Donnerstag zum Tag der Pflegenden mit Foto-Aktionen und Kundgebungen vor ihren Einrichtungen sichtbar werden. „Niemand bestreitet mehr ernsthaft das Problem. Dass es trotzdem nicht gelöst wird, erzĂŒrnt inzwischen auch die geduldigsten Pflegepersonen in KrankenhĂ€usern und Pflegeeinrichtungen“, erklĂ€rte BĂŒhler. „Lauterbach steht in der Pflicht, die gesetzliche Personalbemessung noch vor der Gesundheitsministerkonferenz am 22. Juni auf den Weg zu bringen.“

Foto (c) ver.di