ifo-Studie: Deutschland nur Mittelmaß bei Digitalisierung

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Viel Handlungsbedarf fĂŒr die neue Bundesregierung bei der Digitalisierung sieht eine ifo-Studie im Auftrag der IHK fĂŒr MĂŒnchen und Oberbayern. „Deutschland zeigt bislang im internationalen Vergleich bei der Digitalisierung eine deutliche Tendenz zum Mittelfeld“, sagt ifo-Experte und Studienautor Oliver Falck (Foto).

„Damit Deutschland ein fĂŒhrendes Innovationsland bleibt, muss die Regierungskoalition jetzt dringend die notwendigen Rahmenbedingungen fĂŒr eine erfolgreiche digitale Transformation in den kommenden Jahren setzen“, sagt IHK-PrĂ€sident Klaus Josef Lutz. „An etlichen Stellen liegt es allerdings auch an den Unternehmen selbst, die Chancen der Digitalisierung in ihrer ganzen Breite zu erkennen und zu nutzen.“. Großer Nachholbedarf bestehe vor allem bei digitalen Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung sowie bei der digitalen InnovationsfĂ€higkeit der Betriebe.

Auch alle anderen in der Studie „Benchmarking – Digitalisierung in Deutschland“ untersuchten Digitalisierungsfelder mĂŒssten angepackt werden. Die Wirtschaft werde behindert durch einen zu engen Regulierungsrahmen fĂŒr digitale Innovationen sowie fehlende digitale Kompetenzen. Verbreitete Datenschutz-Bedenken und schwacher digitaler GrĂŒndergeist bremsten den ĂŒberfĂ€lligen digitalen Aufbruch.

Unterdurchschnittlich schneidet Deutschland im internationalen Vergleich des ifo-Instituts vor allem bei digitalen Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung ab. Nachholbedarf gebe es bei der Nutzerfreundlichkeit der digitalen öffentlichen Dienstleistungen, beim Datenaustausch zwischen den Behörden und bei den digitalen öffentlichen Dienstleistungen fĂŒr Unternehmen. Hauptursachen hierfĂŒr seien fehlende Entscheidungskompetenzen in den föderalen Strukturen, mangelnde innovationsorientierte Beschaffung im öffentlichen Sektor und die fehlenden digitalen Kompetenzen in der öffentlichen Verwaltung.

Die Wirtschaftsforscher sehen insgesamt einen großen Hebel in der besseren Anwendung digitaler SchlĂŒsseltechnologien und Daten fĂŒr neue Produkte und Dienstleistungen. Zu selten wĂŒrden jedoch digitale Innovationen in marktfĂ€hige GeschĂ€ftsmodelle umgesetzt. Schwachpunkte seien dabei die seit Jahren rĂŒcklĂ€ufige GrĂŒndungsrate in der m IT-Branche sowie die untergeordnete Rolle stark skalierbarer, plattformbasierter GeschĂ€ftsmodelle. Digitale Anwendungskompetenzen seien zwar insgesamt gut verbreitet, bei den fĂŒr Innovationen entscheidenden Spitzenkompetenzen schneide Deutschland aber deutlich schlechter ab. Die ifo-Autoren fordern daher den Ausbau digitaler Kompetenzen im ganzen Bildungssystem, einen vereinfachten Regulierungsrahmen fĂŒr die Digitalwirtschaft, weniger BĂŒrokratie und bessere ZugĂ€nge zu Wagniskapital.

Die ifo-Studie mahnt außerdem mehr Offenheit in Bezug auf Datenschutz an. Die Bereitstellung anonymisierter persönlicher Daten beispielsweise durch die öffentliche Hand habe großes Potenzial, Impulse fĂŒr Innovationen zu geben. Bei der digitalen Infrastruktur wie Breitband und Mobilfunk sieht die Studie noch LĂŒcken, wobei der Ausbauzustand oft besser sei als die öffentliche Meinung vermuten lasse. Teilweise gebe es kein Angebots- sondern ein Nachfrageproblem, das heißt vorhandene Infrastruktur werde nicht annĂ€hernd ausgeschöpft. Die Gigabit- und 5G-Netze sollten aber dennoch ambitioniert weiter ausgebaut werden.

Foto: Prof. Dr. Oliver Falck Leiter des ifo Zentrums fĂŒr Industrieökonomik und neue Technologien © ifo Institut