Landesapothekerverband: Lieferengpässe pragmatisch angehen

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(LAV, 29. April 2023).¬†‚ÄěWelchen Aufwand wir in der Apotheke betreiben m√ľssen, um bei den bestehenden Lieferengp√§ssen unsere Patienten zu versorgen, konnte ich auf einer √Ąrztefortbildung in Sachsen-Anhalt darlegen. Und an der Reaktion der √Ąrzteschaft war zu erkennen, wie wichtig es ist, in den gemeinsamen Austausch zu treten. Denn in den Praxen ist bisher kaum angekommen, welche enorme Belastung das Managen der Lieferengp√§sse in den Apotheken erzeugt“, erkl√§rte Mathias Arnold, Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Sachsen-Anhalt (LAV).

Am 22. April 2023 referierten Prof. Wolf-Dieter Ludwig und Mathias Arnold gemeinsam in der Leopoldina in Halle/Saale zum Thema: ‚ÄěLieferengp√§sse ‚Äď wie k√∂nnen oder m√ľssen wir damit umgehen?“¬†Neben der Arzneimittelkommission traten die √Ąrztekammer und die kassen√§rztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt als Veranstalter auf.¬†Prof. Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen √Ąrzteschaft,¬†betonte, dass die Hauptarbeit beim Bew√§ltigen der Lieferengp√§sse die Apotheken zu tragen haben, aber auch die Praxen von der Mehrarbeit betroffen sind. Erl√§utert und diskutiert wurden¬†die verschiedenen Ursachen und m√∂gliche L√∂sungsans√§tze.

Ludwig, der auch Mitherausgeber des Arzneiverordnungs-Reports ist, analysierte die Gesamtsituation und einzelne Arzneimittelgruppen. Arnold stellte die besondere Situation der Apotheke dar und konzentrierte sich auf kurzfristig wirksame Ma√ünahmen zum bew√§ltigen der Mangelsituationen in der Apotheke. Beide Referenten betonten, dass die Freiheiten in der Arzneimittelversorgung, die in der Corona-Pandemie geschaffen worden sind und sich bew√§hrt haben, ein wesentliches Werkzeug sind, um die Lieferengp√§sse erfolgreich zu managen. Dies sollte auch in der derzeitigen Gesetzgebung zum ALBVVG unbedingt ber√ľcksichtigt werden. Die √Ąrzte- und Apothekerschaft m√ľsse dies als gemeinsames Ziel verfolgen, denn nur so k√∂nne eine effiziente Versorgung, ohne √ľberfl√ľssige b√ľrokratische H√ľrden, erreicht werden.

Komme es zu keiner ad√§quaten L√∂sung beim Managen der Lieferengp√§sse, bliebe auch bei den Arztpraxen ein erheblicher Mehraufwand bestehen, wenn die Patienten immer wieder f√ľr ein neues Rezept in die Praxis kommen. Das verkompliziert den Praxisalltag unn√∂tig. Denn in vielen F√§llen ist ein erneuter Praxisbesuch nicht notwendig, wenn die Apotheken die Versorgung mit wirkstoffgleichen in der Apotheke vorr√§tigen Arzneimittel vornehmen k√∂nnen. Die Zusammenarbeit von Arztpraxis und Apotheke ist daher enorm wichtig. Bei allen Defizitl√∂sungen darf jedoch f√ľr den Arzt kein wirtschaftlicher Schaden entstehen, wenn die Apotheke auf ein anderes Mittel zur√ľckgreifen muss.

Ein wirkstoffgleicher Austausch, z.B. durch eine andere Packungsgr√∂√üe oder Wirkst√§rke bei gleichzeitiger Anpassung der Dosierung, greife nicht in die Therapiehoheit des Arztes ein, betonte Apotheker Arnold. Er empfahl jedoch, bei drohenden Engp√§ssen durch eine angepasste √§rztliche Verordnung gegenzusteuern. ‚ÄěWenn also Patienten neue Arzneimittel verordnet bekommen, sollte kein Medikament gew√§hlt werden, bei dem bereits ein drohender Engpass angezeigt wird“, so der Apotheker.

‚ÄěBei allen angestrebten L√∂sungsversuchen bleibt unser gemeinsames Ziel, unsere Patienten gut und sicher zu versorgen. Die Fortbildung war f√ľr alle ein interessanter Austausch. Die √Ąrzte best√§tigten mir, dass sie jetzt einen anderen Blickwinkel auf die Problematik Lieferengp√§sse haben“, res√ľmiert Arnold. Er hoffe nun auf mehr Pragmatismus und Flexibilit√§t. Ben√∂tigt wird au√üerdem mehr Verst√§ndnis f√ľreinander, mehr Vertrauen zueinander, mehr Kooperation miteinander und mehr Versorgungsqualit√§t f√ľr eine bessere Gesundheit. So w√ľrde f√ľr alle das allt√§gliche Arbeitsleben etwas leichter.

Text: Katrin Pohl

Foto (c) Landesapothekerverband Sachsen-Anhalt (LAV)