- Zahl geduldeter Schutzsuchender sinkt auch im zweiten Jahr nach EinfĂŒhrung des Chancen-Aufenthaltsrechts
- Ukraine auch im Jahr 2024 Hauptherkunftsland ersteingereister Schutzsuchender
- Starke Unterschiede bei Alter, Geschlechterverteilung und Aufenthaltsdauer je nach Herkunftsland der Schutzsuchenden
Zum Jahresende 2024 waren in Deutschland rund 3,3 Millionen Menschen als Schutzsuchende im AuslĂ€nderzentralregister (AZR) erfasst. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, stieg die Zahl der registrierten Schutzsuchenden gegenĂŒber dem Vorjahr um etwa 132 000 oder 4,1 %. Schutzsuchende sind AuslĂ€nderinnen und AuslĂ€nder, die sich nach Angaben des AZR unter Berufung auf völkerrechtliche, humanitĂ€re oder politische GrĂŒnde in Deutschland aufhalten.
82 % der Schutzsuchenden haben einen anerkannten Schutzstatus
Mit rund 2,7 Millionen Personen (2023: 2,5 Millionen) verfĂŒgte Ende 2024 der GroĂteil der Schutzsuchenden (82 %) ĂŒber einen humanitĂ€ren Aufenthaltstitel und damit ĂŒber einen anerkannten Schutzstatus. Bei 427 000 Schutzsuchenden (2023: 455 000) lag ein offener Schutzstatus vor; das heiĂt, ĂŒber ihr Schutzgesuch war noch nicht rechtskrĂ€ftig entschieden worden. 171 000 Schutzsuchende waren zum Jahresende 2024 nach einer Ablehnung im Asylverfahren oder nach Verlust ihres Schutzstatus mit abgelehntem Schutzstatus registriert und damit ausreisepflichtig (2023: 189 000). Darunter waren 136 000 Personen mit einer Duldung (2023: 157 000, 2022: 219 000). Der erneute RĂŒckgang bei den Duldungen dĂŒrfte mit der EinfĂŒhrung des Chancen-Aufenthaltsrechts Ende 2022 zusammenhĂ€ngen. Dadurch können Personen, die sich seit mindestens fĂŒnf Jahren mit Duldung in Deutschland aufhalten, unter bestimmten Voraussetzungen fĂŒr 18 Monate einen sogenannten Chancen-Aufenthaltstitel und gegebenenfalls eine dauerhafte Bleibeperspektive erhalten. Mit GewĂ€hrung dieses Aufenthaltstitels zĂ€hlen diese Personen nicht mehr zu den Schutzsuchenden.
Die meisten Schutzsuchenden kommen aus Asien oder Europa
Die mit Abstand meisten Schutzsuchenden mit jeweils knapp 1,5 Millionen Personen kamen zum Stichtag 31. Dezember 2024 aus Asien und Europa: Neben Ukrainerinnen und Ukrainern (1 099 000 Personen; +12,5 % im Vergleich zum Vorjahr) waren die meisten Schutzsuchenden syrische (713 000; +0,2 %), afghanische (348 000; +7,7 %), irakische (190 000; -5,2 %) oder tĂŒrkische (157 000; +3,7 %) Staatsangehörige. Zusammen stellten diese fĂŒnf Staatsangehörigkeiten fast drei Viertel aller Schutzsuchenden. Aber auch Menschen aus Afrika (277 000, davon etwa die HĂ€lfte aus Ostafrika; +2,3 %) und Amerika (22 000, davon 87 % aus SĂŒdamerika; +24,0 %) suchten in Deutschland Schutz vor angedrohter oder erlebter Gewalt oder Verfolgung.
VerhĂ€ltnismĂ€Ăig groĂe Anstiege gab es im Jahr 2024 bei Schutzsuchenden aus Kolumbien (+45,7 % auf 9 000 Schutzsuchende) und Venezuela (+22,7 % auf 9 000 Schutzsuchende). Damit wird die humanitĂ€re Zuwanderung aus SĂŒdamerika wesentlich durch Schutzsuchende aus diesen beiden Staaten geprĂ€gt. Einen starken prozentualen RĂŒckgang gab es dagegen bei georgischen Schutzsuchenden (-23,5 % auf 15 000 Schutzsuchende). Dazu dĂŒrfte beigetragen haben, dass Ende 2023 ein Migrationsabkommen zwischen Deutschland und Georgien unterzeichnet und Georgien als sicherer Herkunftsstaat eingestuft wurde. Dadurch können Asylverfahren beschleunigt und Aufenthalte von Personen, deren Asylantrag abgelehnt wurde, schneller beendet werden.
Hauptherkunftsland von 2024 neu nach Deutschland eingereisten Schutzsuchenden war erneut die Ukraine mit 138 000 Ersteinreisen. Das waren fast dreimal so viele wie aus dem zweithÀufigsten Herkunftsland Syrien (49 000 Ersteinreisen).
Hoher Anteil von MĂ€dchen und Frauen unter ukrainischen Schutzsuchenden
Die Schutzsuchenden waren zum Jahresende 2024 im Durchschnitt knapp 32 Jahre alt und lebten seit rund 6,5 Jahren in Deutschland. Der Frauenanteil lag bei 45 %. 27 % der Schutzsuchenden waren Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Allerdings existieren je nach Staatsangehörigkeit der Schutzsuchenden deutliche Unterschiede in der Migrationsstruktur und Demografie: So waren beispielsweise ukrainische Schutzsuchende ĂŒberwiegend weiblich (59 %) und durchschnittlich 35 Jahre alt. DemgegenĂŒber waren syrische und afghanische Schutzsuchende zu fast zwei Dritteln (64 % bzw. 65 %) mĂ€nnlich und mit einem Durchschnittsalter von rund 28 Jahren (Syrien) beziehungsweise rund 27 Jahren (Afghanistan) deutlich jĂŒnger. Der Anteil MinderjĂ€hriger lag bei syrischen Schutzsuchenden mit 32 % ĂŒber dem Gesamtdurchschnitt, wĂ€hrend er bei den ukrainischen Schutzsuchenden mit 28 % ungefĂ€hr im Durchschnitt aller Schutzsuchenden lag.
Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Deutschland lag bei ukrainischen Schutzsuchenden bei 2,8 Jahren, ein GroĂteil dieser Personen kam im Jahr 2022 nach Beginn des russischen Angriffskriegs nach Deutschland. Syrische und afghanische Schutzsuchende hatten im Schnitt bereits mehr als 6 Jahre, irakische und tĂŒrkische Schutzsuchende mehr als 8 Jahre in Deutschland verbracht.
Hohe Anteile an Schutzsuchenden unter der auslÀndischen Bevölkerung in Ostdeutschland
Bei den drei HauptherkunftslĂ€ndern von Schutzsuchenden stellt diese Personengruppe unter den insgesamt in Deutschland lebenden AuslĂ€nderinnen und AuslĂ€ndern mit entsprechender Staatsangehörigkeit die groĂe Mehrheit: So waren Ende 2024 unter den in Deutschland lebenden Ukrainerinnen und Ukrainern 82 % Schutzsuchende, unter den Syrerinnen und Syrern betrug der Anteil 73 % und unter den Afghaninnen und Afghanen 79 %. Im Gegensatz dazu waren lediglich 10 % der tĂŒrkischen Bevölkerung in Deutschland Schutzsuchende. Dieser Anteil hat sich allerdings in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt, zum Jahresende 2020 hatte er noch bei unter 5 % gelegen.
Auch auf Ebene der BundeslĂ€nder sind Unterschiede zu beobachten. Vor dem Hintergrund, dass der AuslĂ€nderanteil an der Gesamtbevölkerung in Westdeutschland (15,7 %) etwa doppelt so hoch ist wie in Ostdeutschland (7,6 %; ohne Berlin), haben Schutzsuchende in den ostdeutschen FlĂ€chenlĂ€ndern einen deutlich gröĂeren Anteil an der Zuwanderung: In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt waren 42 % und in ThĂŒringen 39 % der auslĂ€ndischen Bevölkerung zum Jahresende 2024 Schutzsuchende – im Bundesdurchschnitt traf dies nur auf 24 % der AuslĂ€nderinnen und AuslĂ€nder zu. Insbesondere in Bayern (17 %), Baden-WĂŒrttemberg (18 %) und Berlin (20 %) fiel der Anteil der Schutzsuchenden an der auslĂ€ndischen Bevölkerung niedriger aus.
Destatis am 30. Juni 2025
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