OB Simone Borris: Schade, dass sich das Land so entschieden hat

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Nach Positionierung der Landesregierung zur Bewerbung um das Zukunftszentrum

Magdeburg. Die Landeshauptstadt Magdeburg sieht von einer weiteren Bewerbung um das Zukunftszentrum Deutsche Einheit und europĂ€ischen Transformation ab. Das entschied die Arbeitsgruppe aus Verwaltung, UniversitĂ€t und Hochschule, nachdem die Landesregierung beschlossen hatte, die Bewerbung der Stadt Halle/ Saale finanziell zu unterstĂŒtzen. Die Arbeitsgruppe bedankt sich bei allen an der Bewerbung Beteiligten fĂŒr ihren großen Elan und Fleiß.
 
OberbĂŒrgermeisterin Simone Borris (Foto) sagt zum Ausstieg aus dem Bewerbungsrennen: „So enttĂ€uschend es ist, aber diese – eher politisch motivierte – Entscheidung ist nun einmal nicht fĂŒr uns gefallen. Da die Landesregierung eine andere Kommune Sachsen-Anhalts öffentlich unterstĂŒtzt, sind die HĂŒrden nun zu hoch geworden. Ohne den notwendigen RĂŒckenwind der Regierung ist eine Bewerbung aus unserer Sicht nicht mehr erfolgsversprechend.“
 
Die BegrĂŒndung der Landesregierung hat die Arbeitsgruppe erstaunt und ĂŒberrascht. Die geĂ€ußerte Argumentation sei nicht nachvollziehbar, so BĂŒrgermeisterin Regina-Dolores Stieler-Hinz, die die Magdeburger Arbeitsgruppe zur Bewerbung leitete: „Wir haben die Transformation in der DNA unserer Stadt. Transformationsprozesse sind hier viel stĂ€rker sichtbar – vom Mittelalter in die Gegenwart bis in die Zukunft. Dazu kommt die breite Verankerung der Wissenschaft und Forschung – die vom akademischen Nachwuchs in UniversitĂ€t, Hochschule und allen wichtigen Instituten bis hin zur breiten Bevölkerung via Volkshochschule, Bibliotheken, soziokulturelle Zentren und vielen Ankerpunkten mehr alle Magdeburger*innen und GĂ€ste der Stadt erreichen kann. Wir hoffen, dass sich der Blick des Landes mittelfristig vom SĂŒden löst und auch wieder auf die Errungenschaften in der Mitte und im Norden Sachsen-Anhalts lenkt.“
 
„Die politische Entscheidung, wer fĂŒr das Land Sachsen-Anhalt als Standort fĂŒr das Forschungszentrum ins Rennen geht, ist gefallen“, so der Rektor der Otto-von-Guericke-UniversitĂ€t (OVGU) Prof. Dr. Jens Strackeljan. „Und auch, wenn man als Magdeburger der BegrĂŒndung in vielen Punkten nicht folgen möchte, so sollte uns allen doch klar sein: Es geht hierbei um die Sichtbarkeit des gesamten Landes, einer gesamten Region und weniger um den Erfolg einer Stadt. Magdeburg und die OVGU werden Transformationen mit Elan weiter anschieben, fördern und als Auftrag einer UniversitĂ€t auch beforschen. Dies alles ist authentisch, sichtbar und wird GĂ€ste, Wissenschaftler und Studierende in die Stadt ziehen.“
 
„Die politische Entscheidung des Landes, die in den Spirit und die Dynamik eines Ideen-Wettbewerbs eingreift, sollte mit Blick auf andere Maßnahmen betrachtet werden,“ so die Rektorin der Hochschule Magdeburg-Stendal, Prof. Dr. Manuela Schwartz. „Die Hochschule versteht sich daher mehr denn ja als etablierte Mittlerin einer Transformationsachse zwischen zwei Standorten, die die akademische Entwicklung dieser Region nachhaltig vorantreibt, auch ohne Zukunftszentrum.“
 
Zu den StĂ€rken der Landeshauptstadt zĂ€hlt, dass sie sich immer wieder neu erfunden hat. In Magdeburg ist Transformationsgeschichte tĂ€glich lebendig erlebbar. Wiederholte Zerstörung und die Kraft des Wiederaufbaus haben den Stadtcharakter geprĂ€gt. Entstanden ist ein Stadtbild epochaler Architektur mit BrĂŒchen und eine engagierte, stolze Stadtgesellschaft, die gern und leidenschaftlich aus ihren persönlichen Transformationserlebnissen berichtet. Das vorerst letzte: der Niedergang der Schwermaschinenindustrie nach der friedlichen Wende von 1989. Mehr als 40.000 ArbeitsplĂ€tze gingen allein in diesem Bereich verloren. Trotzdem erholte sich die Stadt an der Elbe davon und zeigt sich heute in einer ungeahnten farbenfrohen BlĂŒte.
 
Magdeburg bietet in einem gepflegten Stadtbild mit breiten Straßen, großen PlĂ€tzen und weitlĂ€ufigen grĂŒnen Erholungsinseln eine hervorragende Infrastruktur fĂŒr eine mehrtĂ€gige StĂ€dtereise. Die Hotellandschaft ist vielfĂ€ltig und zentrumsnah, das Angebot an Gastronomie und FreizeitaktivitĂ€ten ist reichhaltig. Der öffentliche Nahverkehr bietet beste Verbindungen fĂŒr die Wege durch die Landeshauptstadt. Magdeburg hat eine hervorragende Anbindung an das deutsche Verkehrsnetz. Die noch bestehenden Defizite im Fernverkehr der Bahn sollen in den kommenden Jahren abgebaut werden.
 
„Die aktuelle und kurzfristige Erholung der Besucherzahlen nach der Corona-Pandemie sowohl bei Übernachtungs- als auch bei TagesgĂ€sten ist ein Beweis fĂŒr die AttraktivitĂ€t Magdeburgs als StĂ€dtereisenziel und fĂŒr die Resilienz des Tourismus der Landeshauptstadt“, so Hardy Puls, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des stĂ€dtischen Magdeburg Marketing.
 
Das Zukunftszentrum des Bundes

Der Bund hatte am 1. Juli den Standortwettbewerb fĂŒr das Zukunftszentrum Deutsche Einheit und EuropĂ€ische Transformation ausgerufen. Bis 30. September können sich ostdeutsche Kommunen um die Investition in Höhe von 200 Millionen Euro bewerben. Das Zukunftszentrum soll als eine Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Kultur und bĂŒrgerschaftlichem Engagement agieren und fĂŒr die kĂŒnftig bis zu 200 BeschĂ€ftigten einen wissenschaftlichen Bereich, einen Kulturbereich sowie einen Dialog- und Begegnungsbereich vereinen. In Magdeburg hatten Verwaltung und Stadtrat bereits im Juli 2021 entschieden, sich um die Ansiedlung zu bewerben. SpĂ€testens Anfang 2023 will die Bundesregierung bekanntgeben, welche Stadt kĂŒnftig Sitz des Zukunftszentrums sein wird.

Foto (c) simoneborris.de