Integrationspreisverleihung: Landesregierung und Bundesintegrations-beauftragte würdigen Engagement für Vielfalt und Zusammenhalt

Veröffentlicht in: Heute in Sachsen-Anhalt | 0

Halle (Saale). Sechs Initiativen und Projekte sind in diesem Jahr mit dem Integrationspreis des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet worden. Bei einer Festveranstaltung haben die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie für Antirassismus, Staatsministerin Natalie Pawlik, Sachsen-Anhalts Integrationsministerin Petra Grimm-Benne und Staatssekretärin Susi Möbbeck, Integrationsbeauftragte der Landesregierung Sachsen-Anhalts, die Preise übergeben. Gewürdigt wurden zudem 25 Ehrenamtliche für ihren persönlichen Einsatz für Integration und ein gutes Zusammenleben in Vielfalt. Bereits zum 15. Mal wurde der Preis vergeben, um den Einsatz für ein gutes Zusammenleben und für erfolgreiche Integration zu würdigen. In diesem Jahr wurden über 80 Vereine, Unternehmen, Initiativen und Personen für die Preise vorgeschlagen.

Staatsministerin Natalie Pawlik, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus: „Wir würdigen das Engagement von Menschen, die sich in besonderer Weise ehrenamtlich für ihre Nachbarn, unser Zusammenleben und ein solidarisches, tolerantes und weltoffenes Sachsen-Anhalt einsetzen. Sie tragen maßgeblich dazu bei, dass Integration und Teilhabe vor Ort gelingen und genau das brauchen wir in diesen Zeiten.“

Integrationsministerin Grimm-Benne lobt das ausdauernde Engagement für Vielfalt: „Die Preisträger des Landesintegrationspreises stehen für Mut, Ausdauer und unermüdliches Engagement. Integration wächst dort, wo Menschen mit Herz und langem Atem füreinander einstehen. Nur gemeinsam entsteht ein Klima, in dem Demokratie und Zusammenhalt gelebt wird.“


Integrationsbeauftragte Möbbeck sagt: „In ganz Sachsen-Anhalt setzen sich Menschen aktiv für Integration, gelingendes Zusammenleben und gegen Rassismus ein. Ihr Engagement ermöglicht es Geflüchteten und Zugewanderten, gut in der Gesellschaft anzukommen und im Berufsleben teilzuhaben. Gerade in diesen polarisierten Zeiten möchten wir diesen Einsatz würdigen und sichtbar machen.“

Die Preisträgerinnen und Preisträger:

Kategorie „Dauerhaftes und nachhaltiges Engagement für Integration“

Den mit 1.000 Euro dotierten, ersten Preis erhält in dieser Kategorie die Interessengemeinschaft IG Offen-Bunt-Anders in der Volkssolidarität Elbe-Mulde e.V.. Seit über zehn Jahren unterstützen die mittlerweile über 50 Engagierten in Gräfenhainichen Geflüchtete und schaffen durch vielfältige Angebote wie das Begegnungscafé, Sprachkurse oder Feste ein lebendiges Miteinander.

Der zweite Preis (500 Euro) geht an Radio Salām vom Trägerverein Lokalrundfunk Harz-Börde-Welle e.V. aus Aschersleben. Zugewanderte gestalten gemeinsam mit Einheimischen ein interkulturelles Radiomagazin, das nicht nur in mehreren Sprachen informiert, sondern Wege zur Teilhabe ins lokale Geschehen ebnet. Inzwischen 400 Ausgaben berichten über Bräuche, über politische Konflikte, über Integrationserfahrungen, Hürden und Hoffnungen.

Kategorie „Engagement für Vielfalt und Zusammenhalt – gegen Rassismus und Diskriminierung“

Den mit 1.000 Euro dotierten, ersten Preis erhält der Syrisch-Deutsche Kulturverein (SDK) e. V. aus Magdeburg, der seit Jahren auf Begegnung und Austausch setzt, um Vorurteile abzubauen und Zusammenhalt zu fördern – sei es durch Kulturabende, Erzählcafés oder Feste. Nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt der Landeshauptstadt reagierte der Verein mit klarer Haltung und sichtbarem Engagement wie Blutspendeaktionen zur Unterstützung Betroffener bis hin zur Mitorganisation einer Menschenkette gegen Hass und Rassismus.

Der mit 500 Euro dotierte, zweite Preis geht an das Projekt TEKiEZ beim Friedenskreis Halle e.V., das den Anschlagsort in Halle als Raum des Erinnerns, der Begegnung und der Bildungsarbeit bewahrt. Durch Kooperationen mit Angehörigen, Überlebenden und der Zivilgesellschaft engagiert sich das Projekt gegen Rassismus und Diskriminierung – und gegen das Vergessen.

Kategorie „Bildung und Ausbildung – Schlüssel erfolgreicher Integration“

Den mit 1.000 Euro dotierten, ersten Preis erhält die Henglein GmbH & Co. KG aus Klosterhäseler (Burgenlandkreis), die mit großem Engagement zeigt, wie berufliche Integration auch im ländlichen Raum erfolgreich umgesetzt werden kann. Durch familienfreundliche Strukturen, betriebsinterne Sprachkurse und vielfältige Unterstützungsangebote ermöglicht das Unternehmen Zugewanderten ein gutes Ankommen und dauerhaftes Bleiben.

Den zweiten Preis (500 Euro) erhält das Projekt „Dein Sozius“ der Malteser Hilfsdienst gGmbH am Standort Halle (Saale). In dem Projekt engagieren sich 93 ehrenamtliche Integrationslotsinnen und -lotsen, die rund 900 Geflüchtete im Alltag begleiten. Sie fördern soziale Kontakte, schaffen verschiedene Gelegenheiten, die deutsche Sprache zu lernen, zeigen Freizeitmöglichkeiten auf und geben Hilfen in alltagspraktischen Fragen.

Besonderes Engagement von Einzelpersonen

Die Jury hat außerdem 25 Ehrenamtliche für ihren besonderen individuellen Einsatz in der Integrationsarbeit stellvertretend für die vielen Engagierten im Land gewürdigt:

Altmarkkreis Salzwedel

Seit vielen Jahren engagiert sich Frau Sadaf Saiyed für die Integration geflüchteter Menschen in Gardelegen und begleitet als Familienpatin neu angekommene Familien im Alltag. Mit ihrer Unterstützung bei Behördengängen, Arztbesuchen und schulischen Fragen schafft sie eine wichtige Vertrauensbasis und stärkt so die gesellschaftliche Teilhabe. Zusätzlich bietet sie ehrenamtliche Deutschförderung sowie Sprachmittlung an.

Herr Mustafa Beirakdar und Herr Ahmad engagieren sich seit acht Jahren in herausragender Weise für Geflüchtete und bieten mit ihrem wöchentlichen Beratungsnachmittag eine wichtige Anlaufstelle für Fragen und Probleme. Mit ihren Sprachkenntnissen und Erfahrungen unterstützen sie zudem regelmäßig als Sprachmittler bei Behörden und tragen so wesentlich zur erfolgreichen Kommunikation bei. Durch ihre Mitarbeit an Aktionen und Festen fördern sie den interkulturellen Austausch und ein Zusammenleben in Vielfalt.

Burgenlandkreis

Frau Bahara Noorzai engagiert sich als Integrationslotsin ehrenamtlich im Burgenlandkreis und unterstützt Menschen mit Migrationshintergrund z.B. bei Behördengängen, Arztterminen, Elterngesprächen, im Alltag. Mit ihren Sprachkenntnissen (Persisch/Dari, Pashto, Deutsch, Englisch, Türkisch) schafft sie es, Brücken zu bauen.

Frau Baran Jarjis Shaker ist ebenfalls ehrenamtliche Integrationslotsin im Burgenlandkreis. Mit ihren Sprachkenntnissen unterstützt sie Zugewanderte beim Ankommen und beim Zugang zu Anlauf- und Beratungsstellen, die sie selbst noch vor kurzem genutzt hat.

Dessau-Roßlau

Herr Sipan Khalil engagiert sich seit vielen Jahren im Integrationsbereich, indem er sowohl politisch für Themen wie Integration und Inklusion eintritt als auch Einzelpersonen mit Migrationshintergrund in ihrem Alltag unterstützt. Gemeinsam mit rund 40 Familien aus Dessau-Roßlau richtete er einen brachliegenden Sportplatz wieder her und organisierte im Anschluss ein Begegnungsfest, das Menschen erfolgreich zusammenführte.

Herr Razak Minhel engagiert sich seit über drei Jahrzehnten für Demokratie, Vielfalt, Toleranz und ein friedliches Zusammenleben. 1993 gründete er das Multikulturelle Zentrum Dessau e.V. als einen der ersten Migrantenvereine in Sachsen-Anhalt. Mit großem Einsatz begleitete er die Familie des 2000 ermordeten Alberto Adriano, organisierte Erinnerungs- und Gedenkinitiativen und setzte sich unermüdlich gegen Rassismus, Diskriminierung und für religiöse Toleranz ein. Bis heute prägt er mit seinem Wirken die Integrations- und Erinnerungskultur in Dessau und darüber hinaus.

Halle (Saale)

Als ehrenamtlicher Berufspate in einem Projekt der Freiwilligenagentur Halle (Saale) unterstützt Herr Armin Trautwein seit vielen Jahren Menschen mit Migrationsgeschichte bei der beruflichen Orientierung und Arbeitssuche, indem er seine Erfahrung und sein Netzwerk einbringt. Durch praktische Hilfe wie Bewerbungsunterlagen, Stellensuche und Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche hat er bereits zahlreichen Menschen erfolgreich den Weg in Ausbildung und Arbeit geebnet.

Frau Tetiana Wagner wurde stellvertretend für alle Mitwirkenden des „Save Ukraine e.V.“ für die Initiativen „Telegram-Communities für Integration und Unterstützung“ und „Jobsuche in Halle“ ausgezeichnet. Die Gruppen bieten seit März 2022 tausenden ukrainischen Geflüchteten in Halle eine niedrigschwellige Plattform für Information, Austausch und Jobsuche. Durch enge Vernetzung mit lokalen Organisationen schaffen die Gruppen eine Brücke zwischen Institutionen und Community, fördern Integration und bieten praktische Solidarität.

Frau Emina Džehverović engagiert sich seit über drei Jahren ehrenamtlich im Projekt „SISA – Sprachmittlung in Sachsen-Anhalt“ des Landesnetzwerkes der Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt e.V. SISA koordiniert ehrenamtliche Sprachmittlung für Gespräche in Behörden, Beratungsstellen, Kitas und Schulen. Sie baut nicht nur kommunikative Brücken in den Sprachen Bosnisch, Serbisch und Kroatisch, sondern bringt sich zudem überdurchschnittlich in die Vereinsarbeit ein.

Jerichower Land

Seit 2019 leitet Frau Waltraud Franke das Sprachcafé im Soziokulturellen Zentrum Burg, wo sie in lockerer Runde spielerische Übungen zur Verbesserung der Deutschkenntnisse anbietet. Mit ihrem großen Engagement unterstützt sie die Teilnehmenden auch darüber hinaus und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Integration.

Landkreis Anhalt-Bitterfeld

Herr Achim Grünewald engagiert sich seit 2015 mit großem Einsatz für geflüchtete Menschen, indem er nicht nur Sprachunterricht anbietet, sondern auch durch interaktive Formate, kulturelle Veranstaltungen und Begegnungsangebote – bspw. im Mehrgenerationenhaus Bitterfeld-Wolfen –Brücken zwischen Kulturen baut. Sein Engagement in zahlreichen Projekten der Netzwerkstelle für ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingshilfe im Landkreis Anhalt-Bitterfeld erleichtert Zugewanderten aus vielen Ländern den Weg in die Gesellschaft und eröffnet neue Perspektiven.

Landkreis Börde

Herr Sergey Kozlov, Vorstand des Katharina e. V. in Wolmirstedt, engagiert sich seit vielen Jahren für interkulturelle Begegnungen und organisiert mit dem Ensemble „Kolorit“ musikalische Veranstaltungen wie das Musikfestival Wolmirstedt. Er unterstützt nicht nur das künstlerische Engagement von Künstlerinnen und Künstlern mit russischem, ukrainischem, jüdischem, syrischem, afghanischem und anderem Hintergrund, sondern setzt sich besonders für die Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben ein.

Herr Gebretnseai Abraham kam 2015 nach Deutschland und arbeitet seit 2017 festangestellt als Erziehungshelfer und Alltagscoach für unbegleitete minderjährige Geflüchtete. Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagiert er sich mit großer Offenheit für die eritreische Community, unterstützt als Übersetzer, bietet niedrigschwellige Deutschkurse an und begleitet Geflüchtete bei alltäglichen Herausforderungen. Mit seiner Initiative „Deutsch für Frauen“ beim DRK Börde e.V. schafft er wichtige Zugänge zur Sprache und Integration.

Landkreis Harz

Herr Klaus Mansfeldt ist Mitgründer des Runden Tischs für Flüchtlinge und engagiert sich seit vielen Jahren mit großem Einsatz in der Flüchtlingshilfe – zunächst ehrenamtlich in Quedlinburg, später beruflich und seit seiner Pensionierung als Integrationslotse im Landkreis Harz. Er unterstützt neu ankommende Menschen bei der Wohnungssuche, Behördengängen sowie bei der beruflichen wie gesellschaftlichen Integration.

Frau Esther Malhotra engagiert sich seit 2015 mit großem Einsatz in der Flüchtlingshilfe, initiierte als Leiterin des Soziokulturellen Zentrums ZORA e.V. in Halberstadt Workshops, Begegnungsformate wie das Café International und Hilfsaktionen, um insbesondere vulnerable Gruppen zu unterstützen, Integration zu fördern und Vorurteile abzubauen. Heute wirkt sie als Regionalpromotorin im EINE WELT Netzwerk, wo sie Vereine, Kommunen und Bildungseinrichtungen berät.


Landkreis Mansfeld-Südharz

Herr Max Hartwich, Frau Andrea Jenß und Frau Leonie Bethge werden für ihren Einsatz zur Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund geehrt. Das Trio organisiert Nachhilfekurse für migrantische Schülerinnen und Schüler sowie Kommunikationskurse für Vorschulkinder und Kleinkinder. Durch ihre engagierte Betreuung ebnen sie den Weg für bessere Bildungschancen.

Landkreis Wittenberg

Frau Amal Ateya engagiert sich seit Juli 2022 im Familien- und Bildungspatenprojekt der AWO Wittenberg und leitet zweimal wöchentlich einen Sprachtreff Arabisch für Kinder, in dem sie Sprache, kulturelle Identität und Mehrsprachigkeit vermittelt. Mit großem persönlichen Einsatz schafft sie einen geschützten Raum, der Integration, Chancengleichheit und interkulturellen Austausch fördert und den Kindern hilft, sich in zwei Kulturen sicher zu bewegen.

Frau Elke Kreische-Haase ist seit 2015 als ehrenamtliche Sprachpatin im Nachbarschaftstreff Wittenberg West aktiv und unterstützt Zugewanderte beim Erlernen der deutschen Sprache sowie bei Projekten wie „Tanz der Kulturen“ und „Weibsbilder weltweit“. Seit 2016 engagiert sie sich zudem als Integrationslotsin im Landkreis Wittenberg und unterstützt insbesondere Zugewanderte aus Eritrea.

Magdeburg

Frau Ava Basiri floh 2018 aus dem Iran nach Deutschland und lebt heute als freie Künstlerin und Filmemacherin in Magdeburg. In ihren Werken setzt sie Kunst als Medium ein, um kulturelle Vielfalt sichtbar zu machen und Brücken zwischen unterschiedlichen Traditionen und Perspektiven zu schlagen. Mit ihrem Engagement leistet sie einen wichtigen Beitrag zum interkulturellen Dialog.

Frau Nargis Sediqi floh 2016 mit ihrer Familie nach Deutschland und engagiert sich seitdem unermüdlich für die afghanische und iranische Community – unter anderem als Mitglied von AFIMA e. V., Integrationslotsin in Magdeburg und seit 2024 im Beirat für Integration und Migration der Stadt. Mit ihren Sprachkenntnissen und ihrer Erfahrung unterstützt sie ihre Landsleute bei Behörden- und Arztterminen, organisiert Hilfeangebote und setzt sich für bessere Teilhabe und Integration ein.

Frau Ketevan Asatiani-Hermann engagiert sich seit vielen Jahren für Chancengleichheit, interkulturellen Dialog und gesellschaftlichen Zusammenhalt – sowohl als Vorsitzende des Beirates für Integration und Migration Magdeburg als auch in ihrer Arbeit im Jugendmigrationsdienst. Darüber hinaus unterstützt sie als Alumni-Botschafterin der Otto-von-Guericke-Universität internationale Studierende beim Berufseinstieg und fördert ihre Vernetzung mit der regionalen Wirtschaft.

Salzlandkreis

Frau Julianna Dannecker unterstützt mit großer Eigeninitiative ukrainische Geflüchtete in Staßfurt nicht nur bei der Orientierung, sondern begleitet sie auch zu Ämtern, Facharztterminen und anderen wichtigen Terminen, häufig unter Eigenfinanzierung der Fahrkosten. Sie ist zudem aktive Netzwerkpartnerin und bereichert mit ihrem Einsatz das interkulturelle Miteinander sowie die Integrationsarbeit der Stadt Staßfurt.

Quelle: Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt am 27. August 2025

Symbolfoto/pixabay