Volker Herres, Programmdirektor des Ersten, zum Film „Operation Zucker. Jagdgesellschaft“

Veröffentlicht in: Medien | 0

»Es passiert jeden Tag. Überall in Deutschland. Der Missbrauch von Kindern ist eins der schrecklichsten Verbrechen, weil es junge Menschen zerstört und lebenslang zeichnet. Und es ist ein lukratives GeschĂ€ft: UNICEF schĂ€tzt, dass weltweit mit Kinderhandel und Kinderprostitution bei stetig steigender Nachfrage mehr Geld verdient wird als mit Waffen.

‚Operation Zucker. Jagdgesellschaft‘ zeigt eine perfide Organisation, die hinter bĂŒrgerlicher Fassade ihren Mitgliedern Kinder ‚zur VerfĂŒgung‘ stellt. Die TĂ€ter gehören zur besten Gesellschaft und werden durch ein Netz von Mitwissern in verantwortlichen Positionen gedeckt. Die LKA-Kommissarin Karin Wegemann, durch ihre Ermittlungen in ‚Operation Zucker‘ traumatisiert, hofft, diesmal etwas gegen die ‚Jagdgesellschaft‘ unternehmen zu können. Nadja Uhl verkörpert Karin Wegemann mit einer IntensitĂ€t, die uns in jeder Sekunde die Verzweiflung, aber auch den Willen der Figur spĂŒren lĂ€sst. An ihrer Seite steht MiĆĄel Matičević als Kommissar Ronald Krug, der feststellen muss, dass sich die TĂ€ter auch in seinem persönlichen Umfeld befinden.

Alles Fiktion? Leider nein, denn der Film beruht auf sorgfÀltig recherchierten Tatsachen. Die Produzentin Gabriela Sperl, die Drehbuchautoren Friedrich Ani und Ina Jung sowie die Regisseurin Sherry Hormann sind tief eingestiegen in diesen Sumpf von Gewalt, mafiösen Strukturen und schnell verdientem Geld. Was sie zutage gefördert haben, ist schwer ertrÀglich, aber genau deswegen sollten wir genau hinsehen.

‚Operation Zucker‘ hat 2013 fĂŒr Diskussionen, auch auf politischer Ebene, gesorgt und den Blick der Öffentlichkeit darauf gelenkt, dass Deutschland einer der besten ‚AbsatzmĂ€rkte‘ fĂŒr den Handel mit Kindern ist. ‚Operation Zucker. Jagdgesellschaft‘ rĂŒckt die ‚Kunden‘ in den Mittelpunkt, ihre gutbĂŒrgerliche Tarnung und ihr undurchdringliches Netzwerk. «

Text/Foto: Das Erste