Kälte und Schnee trotz Klimawandel РWetter und Klima sind zwei paar Schuhe

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Schnee und strenger Frost: Kaltes Wetter steht nicht im Widerspruch zum Klimawandel. Trotz kurzer winterlicher Phasen f√§llt auch dieser Winter in Deutschland √ľberdurchschnittlich mild aus. W√§hrend Schnee hierzulande seltener wird, k√∂nnte der Klimawandel in anderen L√§ndern sogar das Gegenteil bewirken.

‚ÄěEine Schneeflocke macht noch keinen Winter ‚Äď genau so widerlegen ein paar mehr Schneeflocken nicht den Klimawandel. Hier wird h√§ufig Wetter mit Klima gleichgesetzt. Es wird auch in Zukunft √ľber kurze Zeitr√§ume kalt sein aber langfristig erw√§rmt sich das Klima trotzdem. K√§ltewellen wird es in unseren Breiten immer geben, sie werden eben nur deutlich seltener und wahrscheinlich auch weniger ausgepr√§gt ausfallen“, stellt Bj√∂rn Goldhausen, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline, klar. So hat sich beispielsweise die Anzahl der Tage mit Dauerfrost in Deutschland in den letzten 30 Jahren von etwa 20 auf 10 Tage im Jahr halbiert.

Starke Schneefälle könnten regional sogar zunehmen

Der Zusammenhang zwischen Schnee und dem Klimawandel ist allerdings nicht ganz so einfach herzustellen. In Deutschland sind die Winter etwa seit den 1970er-Jahren immer schnee√§rmer geworden. In anderen Regionen der Erde, wie zum Beispiel in Teilen der USA, hat es jedoch mehr geschneit. Ein Grund daf√ľr kann paradoxerweise die w√§rmere Atmosph√§re sein: Pro 1 Grad Erw√§rmung kann die Luft n√§mlich sieben Prozent mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Im Sommer sorgt das f√ľr mehr Starkregen, im Winter kann es bei passenden Bedingungen aber auch mehr Schnee bedeuten.

Besonders in Nordamerika gab es in j√ľngster Vergangenheit h√§ufig intensive K√§ltewellen. Hierbei k√∂nnte der ver√§nderte Verlauf des Jetstream, dem Starkwindband in etwa 10 Kilometern H√∂he, eine Rolle spielen. Es wurde h√§ufig ein starkes M√§andrieren des Jetstream beobachtet, welches ein Vordringen sehr kalter Luft polaren Ursprungs weit nach S√ľden zur Folge hat.

Fr√ľher ‚Äěnormale“ Winter k√§men uns jetzt kalt vor 

Verglichen mit dem Klimamittel von 1961 bis 1990 waren alle Winter der vergangenen zehn Jahre in Deutschland √ľberdurchschnittlich mild ‚Äď in den Wintern 2015/16 und 2019/20 lag die Temperatur sogar mehr als drei Grad √ľber dem Mittel. Auch der diesj√§hrige Winter f√ľgt sich trotz K√§ltephasen mit einer aktuellen Abweichung von plus 2,6 Grad in die Reihe milder Winter ein. Somit hat sich schon ein gewisser Gew√∂hnungseffekt an das neue Klima eingestellt. Kalte Phasen sind in der Regel nicht mehr ganz so kalt wie vor 30 Jahren und sehr milde Phasen werden hingegen h√§ufiger und dauern l√§nger an. Der globale Erw√§rmungstrend schlie√üt dennoch mitnichten regional kalte und schneereiche Winter aus.

Bildunterschrift: Kalte Winter mit Schnee und Eis sind auch in Zeiten des Klimawandels m√∂glich.

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