Gewalt kommt nicht in die TĂŒte! Magdeburger Netzwerk Frauenschutz ruft zum Mitmachen am 25.11. auf

Veröffentlicht in: Magdeburg | 0

Ab dem 25.11.2021 ruft das Netzwerk Frauenschutz Magdeburg in Kooperation mit dem „Soroptimist International“-Club Magdeburg zu der Aktion „Gewalt kommt nicht in TĂŒte“ auf. Hintergrund der nun schon im zweiten Jahr stattfindenden Aktion ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen, der jĂ€hrlich am 25. November begangen wird und auf ein unverĂ€ndert hochaktuelles und vordringliches Thema aufmerksam machen soll.

Das Netzwerk stellt an diesem Donnerstag, den 25. November, um 11.00 Uhr vor der „Steinecke“-Filiale im Breiten Weg 265 die Aktion öffentlich vor und ruft zum Mitmachen gegen Gewalt an Frauen und Kindern auf. Auch das Gleichstellungsamt der Landeshauptstadt Magdeburg beteiligt sich als engagiertes Mitglied des Netzwerks aktiv an der Aktion.

Die Zahlen im Bereich der Gewalt im sozialen Nahraum sind weiterhin auf einem alarmierenden und erschreckenden Niveau. Allgemein wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen, da viele Frauen ihren Partner oder Ex-Partner nicht anzeigen oder die Polizei nicht informiert wird. Eine aktuelle Statistik fĂŒr 2020 wurde bisher noch nicht veröffentlicht – ein signifikanter Anstieg von Gewalt gegen Frauen im hĂ€uslichen Umfeld durch die Corona-Pandemie lĂ€sst sich jedoch jetzt schon erkennen. Folglich braucht es auch kĂŒnftig einen dauerhaften und konsequenten politischen, rechtlichen und zivilgesellschaftlichen Einsatz gegen Gewalt. Es gilt aufzuklĂ€ren, zu sensibilisieren und den Zugang zu UnterstĂŒtzungsangeboten zu erleichtern.

Dazu soll auch die Gemeinschaftsaktion des Netzwerks „Gewalt kommt nicht in TĂŒte“ einen Beitrag leisten. In ĂŒber 50 verschiedenen BĂ€ckereifilialen und LĂ€den der Landeshauptstadt werden die Backwaren in den eigens fĂŒr die Aktion gestalteten TĂŒten verkauft, auf denen auf die verschiedenen UnterstĂŒtzungsangebote aus dem Gewaltschutzbereich in Magdeburg hingewiesen wird. Es beteiligen sich

12 „Steinecke“-Filialen,
10 „Ihr LandbĂ€cker“-Filialen,
das „Kanne CafĂ©â€œ auf dem Campus des UniversitĂ€tsklinikums,
11 „BĂ€ckerei Otto“ Filialen,
Gehrke am Uniplatz,
die BĂ€ckerei Ebel,
Frau Ernas loser LebensMittelPunkt,
die BÀckerei Möhring in Barleben,
Brot & KĂ€s‘ – Der feine Bioladen,
Biomarkt Naturata & Feine RĂ€der e.K.,
die BĂ€ckerei Braune,
drei „BĂ€ckerei Wegener“-Filialen,
zwei „MĂŒhlenbĂ€cker DĂŒsedau“- Filialen,
drei „BĂ€ckerei Sprung“-Filialen und
die BĂ€ckerei Schwarz mit einer Filiale.

Die Initiatorinnen der Aktion wollen so die Informationen zum Gewaltschutz-Netzwerk niedrigschwellig an die betroffenen Frauen bringen und den Zugang zu den Hilfsangeboten wie Frauenschutzhaus und Beratungsstellen erleichtern.

Fotoaktion rund um „Gewalt kommt nicht in die TĂŒte!“

Um die Aktion und die UnterstĂŒtzungsangebote fĂŒr gewaltbetroffene Frauen in Magdeburg noch sichtbarer zu machen, ruft das Netzwerk Frauenschutz auch zum digitalen Mitmachen auf: Interessierte senden ihre nachdenklichen, solidarischen und inspirierenden Fotos mit den AktionstĂŒten aus den verschiedenen Orten in der Stadt per E-Mail an vera@awo-sachsenanhalt.de. Die Einsendungen werden um den 25. November auf Instagram unter @vera_awofachstelle und ĂŒber weitere KanĂ€le des Netzwerks veröffentlicht. Das beste Foto wird mit einer vollen AktionstĂŒte Backwaren prĂ€miert.

Das Netzwerk Frauenschutz

Das Netzwerk Frauenschutz Magdeburg ist ein Zusammenschluss aus lokalen Gewaltschutzeinrichtungen:

AWO-Fachstelle Vera gegen Frauenhandel und Zwangsverheiratung in Sachsen-Anhalt
AWO-Beratungsstelle Magdalena – Mobile Beratung fĂŒr Sexarbeiter*innen in Sachsen-Anhalt
Frauen- und Kinderschutzhaus Magdeburg und Frauenberatungsstelle RĂŒckenwind Bernburg e.V.
Gleichstellungsamt der Landeshauptstadt Magdeburg – Beratung bei Diskriminierung aufgrund des Geschlechts
Interventionsstelle gegen hÀusliche Gewalt und Stalking der Landeshauptstadt Magdeburg
Wildwasser Magdeburg e.V. – Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt
Opferberatung des Sozialen Dienstes der Justiz Magdeburg – Beratung fĂŒr Betroffene von Straftaten

Fakten: Gewalt gegen Frauen

Laut Polizeilicher Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes fĂŒr das Jahr 2019/2020 ist die Zahl an Gewaltdelikten gegen Frauen in oder nach Beziehungen weiter angestiegen. Dazu zĂ€hlen Delikte wie Mord, Totschlag, Körperverletzung, Vergewaltigung oder Stalking.

117 Frauen wurden Opfer von tödlicher Partnerschaftsgewalt.
Bei 301 Frauen gab es im vergangenen Jahr einen Tötungsversuch in oder nach Beziehungen.
Insgesamt gab es laut Statistik mehr als 141.000 Opfer von vollendeten und versuchten Delikten der Partnerschaftsgewalt.
81% der Betroffenen von Partnerschaftsgewalt waren Frauen.
Das bedeutet, dass fast an jedem 3. Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet wird. Alle 45 Minuten wird eine Frau Opfer von gefÀhrlicher Köperverletzung durch den Partner.

Die Zahlen sind also weiterhin auf einem alarmierenden und erschreckenden Niveau. Dabei handelt es sich nur um polizeilich erfasste FĂ€lle. Im Bereich der Gewalt im sozialen Nahbereich wird allgemeinhin von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen, da viele Frauen ihren Partner oder Ex-Partner nicht anzeigen oder die Polizei nicht informiert wird.

25.11. – Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Vor 61 Jahren wurden die Schwestern Maria, Minerva und Patria Mirabel durch die Geheimpolizei der Trujillo-Diktatur in der Dominikanischen Republik vergewaltigt und ermordet. Die drei Schwestern hatten jahrelang gegen die Diktatur Widerstand geleistet. Trotz Gefangenschaft und Folter hielten sie an ihrem Widerstand gegen Faschismus und UnterdrĂŒckung fest. Nach ihrer Ermordung weitete sich der Widerstand derart aus, dass die Trujillo-Diktatur zu Fall gebracht wurde. 1936 hatte Maria Teresa Mirabel in einer Rede gesagt: „Vielleicht erwartet uns bald schon der Tod, jedoch macht mir das keine Angst. Wir werden weiter fĂŒr all das kĂ€mpfen, was gerecht ist.“ FĂŒr freiheitsliebende Frauen ist eine solche wĂŒrdevolle Haltung heute wie damals notwendig.

Der Mut der Mirabal-Schwestern gilt inzwischen als Symbol fĂŒr Frauen weltweit, die nötige Kraft fĂŒr das Eintreten gegen jegliches Unrecht zu entwickeln. Im Gedenken an die Schwestern Mirabel wurde der 25. November zum internationalen Tag von Frauen gegen jegliche Form von Gewalt erklĂ€rt.

Gewalt gegen Frauen ist weltweit die hĂ€ufigste Menschenrechtsverletzung und prĂ€gt den Alltag vieler Frauen in Deutschland und weltweit. Gewalt an Frauen zeigt sich in verschiedenen Formen: unter anderem in der hĂ€uslichen Gewalt, sexualisierter Gewalt, dem Frauenhandel in die sexuelle Ausbeutung, die Ausbeutung der Arbeitskraft sowie in die Ehe, der Zwangsverheiratung und der GenitalverstĂŒmmelung. Unbedingt benannt werden mĂŒssen in diesem Zusammenhang auch die subtileren und weniger sichtbaren Formen von Gewalt. Auch psychische Gewalt, Stalking, ökonomische AbhĂ€ngigkeit und strukturelle und rassistische Formen von Gewalt hinterlassen schwerwiegende Spuren und richten unermesslichen psychischen Schaden an.

Infos und Hilfsadressen

www.frauen-magdeburg.de – alle Hilfsangebote in Magdeburg in 11 Sprachen – Übersicht aller Beratungsstellen vor Ort

www.hilfetelefon.de auch in GebÀrdensprache/ Chat und Vermittlung in 40 Sprachen

Ansprechpartnerin

Landeshauptstadt Magdeburg

Amt fĂŒr Gleichstellungsfragen

Heike Ponitka

E-Mail: Ponitka@stadt.magdeburg.de

Tel.: 0391/ 540 2316

Foto (c) Landeshauptstadt Magdeburg