DRK kritisiert geplante Haushaltsk√ľrzungen des Bundes bei Freiwilligendiensten

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Magdeburg, 11. September 2023. ‚Äď Der DRK Landesverband Sachsen-Anhalt e. V. regiert mit deutlicher Kritik auf den aktuellen Haushaltsentwurf der Bundesregierung.

Dieser sieht drastische K√ľrzungen der Mittel f√ľr den Bundesfreiwilligendienst (BFD) und das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) vor. Roland Halang, Pr√§sident des DRK¬†Landesverbandes,¬†kritisiert die Pl√§ne: ‚ÄěDie geplante Einsparung von insgesamt 78 Millionen Euro h√§tte auch drastische Auswirkungen auf die Freiwilligendienste in Sachsen-Anhalt und k√§me einer teilweisen Abwicklung der Dienste in diesem wichtigen gesellschaftspolitischen Bereich gleich.‚Äú

F√ľr den Jahrgang 2023/2024 (September 2023 bis August 2024) wurden dem DRK in Sachsen-Anhalt insgesamt 5.040 Teilnehmenden-Monate (TNM) f√ľr das FSJ bewilligt. Das entspricht einem monatlichen Durchschnitt von 420 Teilnehmenden, die besch√§ftigt werden k√∂nnen. Sollten die angek√ľndigten K√ľrzungen zum Tragen kommen, blieben aufgrund der Berechnungen des Bundes bei einer K√ľrzung von 60 Prozent ab September 2024 (das entspricht 252 Stellen) nur noch durchschnittlich 168 FSJ-Kr√§fte pro Monat √ľbrig.

‚ÄěWir m√ľssten vielen jungen Menschen, die sich erfreulicherweise f√ľr diese besondere Form b√ľrgerschaftlichen Engagements interessieren, absagen und w√ľrden viele helfende H√§nde in unseren sozialen Einsatzstellen verlieren‚Äú, so Halang weiter.

Die geplanten K√ľrzungen f√ľr den BFD sind noch drastischer: Bis August 2024 wurden dem DRK Sachsen-Anhalt 137 Teilnehmende pro Monat bewilligt (insgesamt 1.644 Teilnehmenden-Monate f√ľr zw√∂lf Monate). Bei der geplanten K√ľrzung von √ľber 70 Prozent blieben hier nur noch durchschnittlich 41 Helferinnen und Helfer pro Monat √ľbrig Zusammengenommen w√ľrde das bedeuten, dass anstelle der √ľblichen durchschnittlich 557 Freiwilligen nur noch 209 Freiwillige betreut werden d√ľrfen: Dies h√§tte weitreichende Auswirkungen auf verschiedene Einsatzstellen.

Roland Halang betont: ‚ÄěDiese dramatischen K√ľrzungen bedeuten einen erheblichen Verlust an wertvollen Helferinnen und Helfern in unseren vielf√§ltigen Einsatzbereichen: In Seniorenzentren, Kitas, Einrichtungen f√ľr Menschen mit Behinderungen, Schulen und Krankenh√§usern sind unsere Leistungen, die wir dort f√ľr die Gesellschaft erbringen, nicht mehr in der Weise m√∂glich, wie bisher.‚Äú

Eine derartige K√ľrzung der Pl√§tze im Bereich Freiwilligendienst bedeutet zum Beispiel auch, dass die pflegerischen Unterst√ľtzungsleistungen in Seniorenheimen ausblieben, dass die wertvollen p√§dagogischen Projektideen in den Kitas durch den Wegfall der Freiwilligen nicht mehr umgesetzt oder Spezialprojekte, wie beispielsweise FSJdigital oder BFD Bev√∂lkerungsschutz, nicht mehr durchgef√ľhrt werden k√∂nnen.

Die Freiwilligen d√ľrfen zwar keine Fachkr√§fte ersetzen, sind allerdings f√ľr viele Einsatzstellen als zus√§tzliche Hilfskr√§fte unverzichtbar. Auch wird es f√ľr die Einsatzstellen erschwert, Nachwuchs an Fachkr√§ften √ľber die Freiwilligendienste zu gewinnen, wenn dort deutlich weniger junge Menschen t√§tig sein k√∂nnen.

‚ÄěEs ist f√ľr uns sehr schwer zu verstehen, warum in Zeiten des Fachkr√§ftemangels ein so wertvolles Instrument zur Unterst√ľtzung der Fachkr√§fte im sozialen Bereich sowie diese gute M√∂glichkeit, Fachkr√§fte f√ľr die Zukunft zu gewinnen, durch diese dramatischen K√ľrzungen so enorm geschw√§cht werden soll‚Äú, so Halang.

F√ľr die jungen Menschen bedeutet dies, dass ihnen eine sehr wertvolle M√∂glichkeit zur Pers√∂nlichkeitsentwicklung, beruflichen Orientierung und ein Jahr des sozialen Engagements genommen wird. Am Ende ihres Freiwilligendienstes berichten die Freiwilligen immer wieder, wie pr√§gend das Jahr f√ľr sie war, wie viel sie √ľber sich und den sozialen Bereich gelernt haben. Dieser Entwicklung tr√§gt das Deutsche Rote Kreuz Sachsen-Anhalt auch mit seinen Seminaren Rechnung, in denen neben fachlichen, gesellschaftspolitischen und gruppendynamischen Themen auch Themen der Selbstreflexion im Zuge eigener Erfahrungen im Berufsalltag breiten Raum einnehmen. Vor allem bei psychisch belasteten Freiwilligen initiieren wir als Deutsches Rotes Kreuz ein wertvolles Hilfesystem mit dem FSJ und BFD.

Das DRK Sachsen-Anhalt appelliert daher erneut eindringlich an die Bundesregierung und die Abgeordneten des Deutschen Bundestages aus Sachsen-Anhalt, die geplanten K√ľrzungen zu √ľberdenken und die Bedeutung der Freiwilligendienste f√ľr die Gesellschaft und das soziale Gef√ľge anzuerkennen.

Text/Fotos: Deutsches Rotes Kreuz Landesverband Sachsen-Anhalt e.V. / Jörn Rettig

Gruppenfoto 1: Freiwillige des Betriebsteils Freiwilligendienste im DRK Landesverband Sachsen-Anhalt e. V. ohne K√ľrzungen.

Gruppenfoto 2: Freiwillige des Betriebsteils Freiwilligendienste im DRK Landesverband Sachsen-Anhalt e. V. nach den geplanten K√ľrzungen.