Investitionen aus dem Corona-Sondervermögen erhöhen Krisenresilienz und stärken Forschung, Lehre und Patientenversorgung.
Magdeburg. Die Universitätsmedizin Magdeburg (UMMD) hat sich heute gemeinsam mit dem Land Sachsen-Anhalt über drei neue, innovative Medizin-Großgeräte ausgetauscht, die aus dem Corona-Sondervermögen des Landes finanziert werden. Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann und Finanzminister Michael Richter überreichten die offiziellen Förderbescheide über rund 9,5 Millionen Euro und tauschten sich vor Ort über die neuen Technologien sowie deren Bedeutung für Forschung, Lehre und die Patientenversorgung, insbesondere in Krisensituationen, aus.
Zum Auftakt begrüßte Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Magdeburg, die Anwesenden. Im Namen des gesamten Klinikumsvorstands sprach er dem Land Sachsen-Anhalt seinen Dank für die Unterstützung aus.
Willingmann sagte: „Die Investition aus dem Corona-Sondervermögen des Landes Sachsen-Anhalt stärkt die medizinische Infrastruktur und die Krisenfestigkeit unseres Gesundheitssystems. Dabei ist die Anschaffung der hochmodernen Geräte mehr als eine technische Modernisierung; sie steht auch für unsere Strategie, die Gesundheitsversorgung in Sachsen-Anhalt leistungsfähig, digital und wissenschaftlich exzellent weiterzuentwickeln. Davon profitieren Patientinnen und Patienten ebenso wie Forschung und Lehre.“
Minister Richter: „Die Universitätskliniken unseres Landes haben in der Corona-Pandemie bewiesen, wie wichtig eine leistungsfähige und innovative medizinische Infrastruktur ist. Mit den gezielten Investitionen aus dem Corona-Sondervermögen hat die Landesregierung die Voraussetzungen geschaffen, die Krisenfestigkeit unserer Gesundheitseinrichtungen nachhaltig zu stärken. Damit legen wir die Grundlage dafür, dass Sachsen-Anhalt auch künftig eine Vorreiterrolle in der medizinischen Versorgung, Forschung und Lehre einnimmt.“
Im Anschluss stellten die Experten drei geförderte Großgeräte vor:
Mehr Flexibilität durch mobile Einheiten
Prof. Dr. med. Uwe-Bernd Liehr, kommissarischer Direktor der Klinik für Urologie, Uroonkologie sowie robotergestützte und fokale Therapie, lenkte in seinem Vortrag den Blick auf eine zentrale Herausforderung moderner Krankenhausstrukturen: In Pandemie- und MANV-Situationen stoßen bestehende Abläufe schnell an ihre Grenzen. Infektionsrisiken steigen, OP-Kapazitäten brechen ein und auch die ärztliche Weiterbildung gerät unter Druck.
Als Lösungsansatz hob er mobile, flexible und universell nutzbare Diagnose- und Therapie-Systeme hervor. Diese ermöglichen eine kurzfristige räumliche Trennung von Patientenströmen, unterbrechen Infektionsketten innerhalb des Krankenhauses und sichern so die operative Versorgung auch unter Krisenbedingungen.
Zentrale Komponente ist eine mobile Einheit aus Röntgen- und Ultraschall-MRT-Fusionstechnologie, die Eingriffe direkt am Einsatzort ermöglicht und so dezentrale „Satelliten-OPs“ unterstützt. Durch digitale Bildgebung mit Live-Übertragung bleibt zudem die Ausbildung ohne zusätzliches Infektionsrisiko gewährleistet.
Im MANV-Fall erhöhen die Systeme die Flexibilität und reduzieren diagnostische Engpässe. Insgesamt stärken sie die Resilienz des Krankenhauses durch mehr operative Handlungsfähigkeit und geringere Abhängigkeit von zentralen OP-Strukturen.
Leuchtturmprojekt in der Nuklearmedizin
Univ.-Prof. Dr. med. Michael Kreißl, Chefarzt der Nuklearmedizin, an der Universitätsmedizin Magdeburg, machte ebenfalls deutlich, dass diagnostische Engpässe insbesondere in Ausnahmesituationen schnell die Versorgungskapazitäten begrenzen können. Vor diesem Hintergrund stellte er das Ganzkörper-PET/CT-System mit Long Axial Field of View (LAFOV) vor, das durch hohe Sensitivität und schnelle Ganzkörper-Bildgebung (Aufnahmen in weniger als einer Minute möglich) einen deutlich erhöhten Patientendurchsatz, verkürzte Untersuchungszeiten und verbesserte Bildqualität ermöglicht. In Pandemiesituationen kann eine hochpräzise Suche nach Entzündungsherden binnen kurzer Zeit bei vielen Patientinnen und Patienten erfolgen, um eine gezielte Behandlung zu ermöglichen. Zugleich steht die hochmoderne Diagnostik Krebspatientinnen und -patienten zur Verfügung. Aufgrund der deutlich geringeren Strahlenexposition profitieren insbesondere auch Kinder und junge Erwachsene von der neuen Technologie. Zudem werden optimale Voraussetzungen für die Aus- und Weiterbildung von medizinischem sowie technisch-technischem Personal geschaffen.
Prof. Heinze betonte: „Die neue Infrastruktur stärkt die Universitätsmedizin Magdeburg und verbessert die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten – gerade auch unter Krisenbedingungen.“
Prof. Dieterich ergänzte: „Die Investitionen wirken weit über die Patientenversorgung hinaus: Sie stärken als Leuchtturmprojekt unsere Forschungsinfrastruktur, fördern die standortübergreifende Zusammenarbeit – etwa mit dem DZNE, dem Klinikum Dessau und dem Universitätsklinikum Halle – und eröffnen neue Entwicklungsmöglichkeiten für die Medizintechnik, insbesondere im Umfeld des STIMULATE-Forschungscampus.“
Innovation in der interventionellen Onkologie
Privatdozent Dr. Oliver Großer, leitender Medizinphysiker der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin, stellte stellvertretend für den Klinikdirektor Prof. Dr. Maciej Pech ein interventionelles onkologisches Bildgebungssystem vor, das CT und Angiographie in einer Einheit kombiniert. Auch hier wurde die hohe Relevanz robuster und effizienter Abläufe in Krisensituationen betont, die auch bei komplexen Eingriffen und Bildgebung eine stabile und reibungslose Versorgung ermöglichen.
Das System wird präzise, minimalinvasive Eingriffe in einer einzigen Umgebung ermöglichen, Umlagerungen und Zeitverluste reduzieren und durch Nadeltracking sowie optimierte Software eine hohe Präzision auch unter Belastung unterstützen. Insgesamt werden beide Technologien zur Stärkung der klinischen Flexibilität und Versorgungssicherheit in Ausnahmesituationen beitragen.
Foto: Wissenschaftsminister Prof. Dr. Willingmann (3. v. r.) und Finanzminister Richter (4. v. r.) überreichen Förderbescheide an die Universitätsmedizin Magdeburg. Von links: Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze, Ärztlicher Direktor der Universitätsmedizin Magdeburg; Dr. med. Mathias Becker, geschäftsführender Oberarzt; Prof. Dr. med. Uwe-Bernd Liehr, Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin; Prof. Dr. med. Michael Kreißl, kommissarischer Direktor der Klinik für Urologie und Uroonkologie sowie Chefarzt der Nuklearmedizin (2. v. r.); Privatdozent Dr. Oliver Großer, leitender Medizinphysiker der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin.
(c) Fotografin: Sarah Kossmann / UMMD

