Volkswirte uneins bei Schuldenbremse und Haushalt 2024

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Deutsche Volkswirte sind gespalten beim Bundeshaushalt und der Schuldenbremse. 48 Prozent der Befragten sind dafĂŒr, im Haushalt 2024 vorrangig Ausgaben zu kĂŒrzen. 38 Prozent sehen einen Anstieg der Neuverschuldung als primĂ€ren Weg, um dem Haushalt 2024 mehr Geld zuzufĂŒhren. Das ist ein Ergebnis des Ökonomenpanels, bei dem das ifo Institut Ökonominnen und Ökonomen an deutschen UniversitĂ€ten befragt. „Die bestehende und eine reformierte, investitionsbasierte Schuldenbremse erhalten Ă€hnlich viel UnterstĂŒtzung. Einig sind sich die Befragten darin, dass die Schuldenbremse nicht ganz abgeschafft werden sollte“, sagt ifo-PrĂ€sident Clemens Fuest (Foto). „Die PrĂ€ferenz der Befragten fĂŒr AusgabenkĂŒrzungen könnte eine Reaktion auf die Ausweitung der Staatsausgaben in den letzten Jahren sein“, erlĂ€utert ifo-Forscher Niklas Potrafke.

Zugleich gibt es eine grĂ¶ĂŸere Gruppe von Befragten, die statt AusgabenkĂŒrzungen einen Anstieg der Neuverschuldung als Lösung fĂŒr die HaushaltslĂŒcke im Jahr 2024 sehen: Rund 15 Prozent fordern eine Reform oder Abschaffung der Schuldenbremse, um so Freiraum fĂŒr Mehrausgaben zu schaffen. Weitere 18 Prozent wollen Sondervermögen zu Klima und Infrastruktur in Grundgesetz verankern. 5 Prozent sprechen sich fĂŒr ein erneutes Aussetzen der Schuldenbremse aus. Weitere 5 Prozent fordern Steuererhöhungen. Zudem wollen 7 Prozent andere Maßnahmen, vielfach eine Mischung aus Einsparungen und höheren Steuereinnahmen.

Rund zwei Drittel der Befragten im ifo Ökonomenpanel unterstĂŒtzen das Vorgehen der Bundesregierung, fĂŒr das Jahr 2023 rĂŒckwirkend eine Notlage zu beschließen und so die Schuldenbremse aussetzen. Dies sei der einzige Weg, um das Jahr kurzfristig mit einem verfassungsmĂ€ĂŸigen Haushalt abzuschließen. Im Nachhinein könne man nicht mehr sparen. Alle Alternativen wĂŒrden Unternehmen und Haushalte erheblich verunsichern und Klimaziele gefĂ€hrden. 28 Prozent lehnen das Vorgehen ab.

Gespalten sind die Professorinnen und Professoren ĂŒber die Zukunft der Schuldenbremse: 48 Prozent wollen die Schuldenbremse in ihrer jetzigen Form erhalten. 44 Prozent wollen sie erhalten, aber reformieren, 6 Prozent wollen sie gĂ€nzlich abschaffen.

An der Umfrage beteiligten sich 187 VWL-Professorinnen und Professoren vom 28. November bis zum 5. Dezember.

Text/Foto: ifo Institut am 08. Dezember 2023