„Die heute bewährte und von den Patienten geschätzte flächendeckende Versorgung mit Haus- und Fachärzten und Psychotherapeuten könnte sich in Zukunft erheblich ändern – und zwar zum Nachteil der Patienten, mit längeren Wartezeiten“, sagt Dr. Jörg Böhme (Foto), Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA), nachdem heute der Entwurf eines GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes das Bundeskabinett passiert hat. „Nun muss der Bundestag entscheiden, ob sich die ambulante Versorgung zukünftig verschlechtern wird.“
➢ Bereits jetzt bestehen Engpässe bei der Terminvergabe. – Passen Praxen ihre Leistungen der dann zur Verfügung stehenden Vergütung an, ist mit einem Verlust von über 500.000 Terminen im Jahr zu rechnen. Das bedeutet: deutlich längere Wartezeiten, deutlich schlechterer Praxis-Zugang für Neupatienten.
➢ Bereits jetzt mangelt es an Ärzten, in Sachsen-Anhalt sind über 200 Praxissitze unbesetzt. – Die Sparmaßnahmen werden dazu führen, dass ältere Ärzte (13 Prozent sind älter als 65 Jahre) ihre Praxen eher schließen und jüngere Ärzte sich gegen eine eigene Niederlassung entscheiden.
➢Bereits jetzt werden vollumfänglich erbrachte Leistungen nicht vollumfänglich vergütet. Für Sachsen-Anhalts Vertragsärzte und Psychotherapeuten sind das jährlich über 80 Millionen Euro, die die Krankenkassen nicht bezahlen. – Nun soll weiter an der Vergütung ärztlicher Leistungen gespart werden.
„Wir setzen auf die Abgeordneten des Bundestages und fordern eine Kurskorrektur. Die medizinische Versorgung muss Bestandteil der Daseinsvorsorge sein. Eine Finanzreform darf nicht zu Lasten der Versorgungssicherheit in einem Flächenland wie Sachsen-Anhalt gehen“, betont der KVSA-Vorstandsvorsitzende und verweist auf andere mögliche Wege, um Beitragssätze und Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung zu stabilisieren. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung als Dachverband der Kassenärztlichen Vereinigungen hatte bereits Vorschläge aus dem eigenen Zuständigkeitsbereich und aus anderen Bereichen mit möglichem hohen Einsparpotenzial unterbreitet.
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Quelle: Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt am 29. April 2026
Foto: KVSA-Vorstandsvorsitzender Dr. Jörg Böhme. © KVSA / Rayk Weber
