Olaf Meister: Wenn die Dorfkneipe stirbt, stirbt ein Stück Zusammenhalt

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Magdeburg. Die Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen will Dorfgaststätten in Sachsen-Anhalt gezielt als soziale Infrastruktur im ländlichen Raum stärken. Anlässlich der gestrigen Landtagsdebatte macht Olaf Meister (Foto), Sprecher für Kommunales, Wirtschaft und Tourismus sowie Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion, deutlich: Der Verlust von Dorfgaststätten ist weit mehr als ein wirtschaftliches Problem. Er trifft das soziale Herz vieler Orte.

„Wo die Dorfkneipe schließt, verschwindet nicht nur ein Betrieb. Es verschwindet ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, Vereine leben, Feste gefeiert und Konflikte ausgetragen werden. Dorfgaststätten sind oft das letzte öffentliche Wohnzimmer eines Dorfes. Wer den ländlichen Raum stärken will, darf diese Orte nicht aufgeben“, erklärt Olaf Meister.

Die Entwicklung ist seit Jahren eindeutig. In Sachsen-Anhalt haben inzwischen mehr als zehn Prozent der Gemeinden keinen einzigen gastronomischen Betrieb mehr. Innerhalb von 15 Jahren sind rund 800 Lokale verschwunden. Besonders kleine Gemeinden trifft dieser Verlust hart. Mit jeder geschlossenen Gaststätte geht ein Stück Alltagskultur, Gemeinschaft und Lebensqualität verloren.

Für die Grünen ist klar: Es geht nicht um nostalgische Verklärung, sondern um konkrete Zukunftspolitik für starke Dörfer. Die klassische Dorfkneipe wird nicht überall in alter Form zurückkehren. Aber neue, tragfähige Modelle können funktionieren. Dazu gehören Kombinationen aus Dorfladen und Gastronomie, genossenschaftlich getragene Häuser, bürgerschaftliche Initiativen oder flexible gastronomische Konzepte mit regionalem Profil und touristischem Mehrwert.

„Andere Bundesländer zeigen längst, dass gezielte Unterstützung wirkt. Sachsen-Anhalt dagegen hat bisher kein eigenes Förderinstrument für Dorfgaststätten. Dabei liegt ein durchdachtes Konzept seit Jahren auf dem Tisch. Was fehlt, ist nicht die Idee, sondern der politische Wille zur Umsetzung“, so Meister weiter.

Die Grünen fordern daher, das bereits in der vergangenen Wahlperiode entwickelte Modellprogramm Dorfgaststätte zu aktualisieren und endlich umzusetzen. Mit überschaubaren Mitteln sollen sowohl Investitionen in bestehende Betriebe als auch Machbarkeitsstudien, Konzepte und Wiedereröffnungen unterstützt werden. Ziel ist es, Orte der Begegnung mit wirtschaftlicher Perspektive zu erhalten oder neu zu schaffen.

„Dorfgaststätten sind keine Nebensache. Sie stiften Identität, beleben Ortskerne und halten Dörfer zusammen. Wer Heimat stärken will, muss genau hier investieren“, betont Meister.

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Text/Foto: Olaf Meister, parlamentarischer Geschäftsführer der grünen Landtagsfraktion