- Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der ostdeutschen Bevölkerung sorgt sich vor mehr Hitzewellen.
- 82 Prozent fühlen sich gut informiert, 70 Prozent passen aktiv ihr Verhalten an.
- Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Sachsen-Anhalt: „Die Umfrage-Ergebnisse zeigen: Die Menschen nehmen Hitzewellen sehr ernst und reagieren, indem sie ihr Verhalten bereits anpassen. Zugleich wird deutlich, dass beim Hitzeschutz im Gesundheitswesen und in der Arbeitswelt noch Handlungsbedarf besteht, denn Hitzeschutz ist und bleibt Gesundheitsschutz.“
Magdeburg, 19. Juni 2026 – Die Menschen in Ostdeutschland blicken mit erheblicher Sorge auf zunehmende Hitzewellen. Gleichzeitig zeigt sich: Viele fühlen sich gut über gesundheitliche Risiken informiert und reagieren bereits mit angepasstem Verhalten, etwa durch mehr Ruhepausen, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und reduzierte körperliche Belastung. Das geht aus der repräsentativen Umfrage „Klimaneutraler Gesundheitssektor 2025″ der BARMER in Kooperation mit dem F.A.Z. Institut hervor. „Die Menschen sind nicht nur gut informiert, sondern handeln auch entsprechend. Das ist besonders wichtig für Risikogruppen wie Kleinkinder, ältere Menschen oder chronisch Erkrankte“, sagt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Sachsen-Anhalt.
Deutlichen Nachholbedarf sehen die Befragten beim Hitzeschutz im Gesundheitswesen. Krankenhäuser, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen werden vielfach als nicht ausreichend auf extreme Hitze vorbereitet eingeschätzt. „Gesundheitseinrichtungen müssen sich intensiver auf die Folgen des Klimawandels einstellen. Hier sind insbesondere Betreiber, aber auch die Kommunen im Sinne des Gemeinwohls gefragt, konsequent vorzusorgen“, so Dziuk. Auch im öffentlichen Raum wünschten sich viele Menschen bessere Schutzmaßnahmen, etwa einen erleichterten Zugang zu Trinkwasser, kühle Aufenthaltsorte oder eine hitzeresistente Stadtplanung. Zudem steige der Handlungsdruck für Arbeitgeber. Viele Beschäftigte erwarteten mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und -orten sowie konkrete Schutzmaßnahmen bei hohen Temperaturen. „Hitzeschutz ist konkreter Arbeitsschutz. Deshalb sollten Arbeitgeber entsprechende Maßnahmen so umfassend wie möglich umsetzen“, so die BARMER-Landeschefin.
Wie groß ist die Sorge vor Hitzewellen?
55 Prozent der Befragten in Ostdeutschland und damit erkennbar weniger als im Süden (60 Prozent), im Norden (64 Prozent) oder Westen (64 Prozent) sorgen sich wegen mehr möglicher künftiger Hitzewellen. Zwei Drittel nehmen eine Zunahme heißer Tage wahr.
Wie gut fühlen sich die Menschen informiert und vorbereitet?
82 Prozent der Befragten in Ostdeutschland fühlen sich über gesundheitliche Auswirkungen von Hitze gut informiert. 70 Prozent nehmen amtliche Hitzewarnungen ernst und passen ihr Verhalten entsprechend an, allem voran beim Essen und Trinken. Mehr als 44 Prozent legen bei großer Hitze häufiger oder längere Ruhepausen ein, reduzieren ihre körperliche Aktivität bzw. passen ihr Sportpensum an und organisieren Termine oder Erledigungen entsprechend um.
Wie wird der Hitzeschutz im Gesundheitswesen bewertet?
Nur eine Minderheit der Menschen in Ostdeutschland sieht die Einrichtungen beim Hitzeschutz gut oder sehr gut aufgestellt: 32 Prozent bei Krankenhäusern, 29 Prozent bei Arztpraxen und 21 Prozent bei Pflegeeinrichtungen.
Welche Maßnahmen wünschen sich die Menschen im öffentlichen Raum?
64 Prozent der Ostdeutschen sprechen sich für besseren Zugang zu kostenfreiem Trinkwasser aus, 54 Prozent für kühle öffentliche Aufenthaltsräume und 53 Prozent für eine hitzeresistente Stadtplanung, beispielsweise mit hellen, das Sonnenlicht gut reflektierenden Bodenbelägen.
Welche Erwartungen richten sich an Arbeitgeber?
56 Prozent wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten und -orte bei Hitze, 77 Prozent Homeoffice ab 30 Grad Außentemperatur und 85 Prozent kürzere Arbeitszeiten bei Tätigkeiten unter direkter Sonneneinstrahlung. 62 Prozent befürworten Bußgelder, falls der Arbeitgeber keine Hitzeschutzmaßnahmen ergreift.
Welche Gruppen sind besonders gefährdet?
Vor allem ältere Menschen, Kleinkinder und Personen mit chronischen Erkrankungen gelten als besonders hitzegefährdet und benötigen speziellen Schutz.
Was ist die Studie „Klimaneutraler Gesundheitssektor“?
Die Studie „Klimaneutraler Gesundheitssektor“ basiert auf einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung von 1.001 Personen, 201 davon aus Ostdeutschland (Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) sowie 415 Akteuren des deutschen Gesundheitswesens. Im Juli 2025 wurden die Gesundheitsakteure dazu befragt, wie sie ihre Rolle im Klimawandel einschätzen und wie sich ihre Organisation auf Hitze und Hitzewellen vorbereitet. Ergänzend wurde die Bevölkerung – direkt nach der ersten Hitzewelle des letzten Jahres – repräsentativ zu ihrem Erleben von Hitze sowie ihrem Informations- und Schutzverhalten befragt.
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Text/Foto: BARMER in Sachsen-Anhalt am 19. Juni 2026
