Ärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung äußern erhebliche Sorge über mögliche Auswirkungen wahlprogrammatischer Aussagen zu ausländischen Fachkräften auf die medizinische Versorgung im Land
Magdeburg. Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt und die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt nehmen die wahlprogrammatischen Aussagen, die sich gegen eine Tätigkeit ausländischer Fachkräfte richten, mit großer Sorge zur Kenntnis. Angesichts der bevorstehenden Landtagswahl im September weisen beide Körperschaften darauf hin, dass die medizinische Versorgung in Sachsen Anhalt bereits heute in hohem Maße von qualifizierten Ärztinnen, Ärzten und anderen Gesundheitsfachkräften aus dem Ausland abhängt. Der Anteil ausländischer Ärztinnen und Ärzte unter den berufstätigen Ärztinnen und Ärzten beträgt 18,55 Prozent.
Unverzichtbarer Beitrag internationaler Fachkräfte
In vielen Regionen des Landes – insbesondere auch im ländlichen Raum – wäre eine flächendeckende Versorgung ohne ausländische Kolleginnen und Kollegen nicht mehr sicherzustellen. Sie tragen maßgeblich dazu bei, Praxen offen zu halten, Klinikstandorte zu stabilisieren und Wartezeiten für Patientinnen und Patienten zu begrenzen.
Aussagen, die die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte pauschal infrage stellen oder erheblich einschränken wollen, stehen im klaren Widerspruch zur Realität der Versorgungssituation in Sachsen Anhalt.
Gefährdung der Versorgungssicherheit
Sollten politische Entscheidungen künftig die Anerkennung ausländischer Abschlüsse erschweren, die Einwanderung qualifizierter Fachkräfte begrenzen oder ein gesellschaftliches Klima schaffen, das internationale Kolleginnen und Kollegen abschreckt, hätte dies absehbare und unmittelbare Folgen:
• längere Wartezeiten in Praxen und Kliniken
• Schließungen oder Einschränkungen medizinischer Einrichtungen
• zusätzliche Belastung für das bereits stark beanspruchte Personal
• eine Verschärfung des ohnehin dramatischen Nachwuchsmangels
Beide Körperschaften betonen, dass die Sicherstellung der Versorgung eine gesetzliche Aufgabe ist – und dass diese Aufgabe ohne internationale Fachkräfte nicht erfüllbar wäre.
Für ein offenes, sicheres und attraktives Arbeitsumfeld
Ärztekammer und KV Sachsen Anhalt sprechen sich klar für ein Arbeitsumfeld aus, das qualifizierte Fachkräfte – unabhängig von Herkunft oder Nationalität – willkommen heißt. Dazu gehören transparente Anerkennungsverfahren, integrationsfreundliche Rahmenbedingungen und ein gesellschaftliches Klima, das Respekt und Wertschätzung vermittelt.
Appell an die politische Verantwortung
Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Landtagswahl appellieren beide Körperschaften an alle politischen Akteure, die medizinische Versorgung im Land nicht durch restriktive oder abschreckende Maßnahmen zu gefährden. Die Bevölkerung in Sachsen Anhalt ist auf eine stabile, moderne und international geprägte Gesundheitsversorgung angewiesen.
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