Visionäre Brücke zwischen Forschung und Versorgung: Das neue Zentrum für Hirngesundheit

Veröffentlicht in: Universitätsmedizin Magdeburg | 0

Magdeburg. Das deutschlandweit einzigartige Zentrum für Hirngesundheit bringt neueste Erkenntnisse aus der Forschung in die Versorgung. Der Fokus liegt auf der Optimierung der Hirnleistung in einem breiten Spektrum neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen – mit einem besonderen Augenmerk auf neurodegenerative Erkrankungen und schwerwiegende psychiatrische Krankheitsbilder.

Startschuss für Innovation und Patientennähe

Mit einer feierlichen Auftaktveranstaltung wurde die Arbeit des Zentrums offiziell eingeleitet. Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann, Prof. Dr. Helmut Weiß, Prorektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, sowie der Klinikumsvorstand betonten die Bedeutung des Standorts als Innovationsmotor, der exzellente Forschung und modernste Patientenversorgung eng verbindet.

Prävention statt nur Reaktion

„Hirngesundheit ist weit mehr als die bloße Abwesenheit von Krankheit“, betonte Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums. „Unsere Vision war von Beginn an ein Zentrum, das Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge konsequent zusammenführt. Wir wollen die zentralen Fähigkeiten des Gehirns über die gesamte Lebensspanne stärken und erhalten.“

Willingmann ergänzte: „Das neue Zentrum für Hirngesundheit zeigt, was moderne Universitätsmedizin leisten kann. Medizinische Exzellenz und gesellschaftlicher Nutzen gehen hier Hand in Hand. Mit der Gründung definiert das Uniklinikum einen neuen Anspruch an die Versorgung: hin zu einem integrierten Ansatz aus Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge mit dem Menschen im Mittelpunkt. Hierfür bieten Sachsen-Anhalt und Magdeburg Top-Voraussetzungen: Langjährige, exzellente Expertise in der Neuroforschung trifft auf eine alternde Gesellschaft. So ist das neue Zentrum nicht nur eine medizinische Institution, sondern ein wichtiger strategischer Baustein für Gesundheitsversorgung und Zukunftsfähigkeit im Land.“

Megatrends: Früherkennung und „Super Ager“

Prof. Dr. Emrah Düzel, Direktor des Instituts für Kognitive Neurologie und Demenzforschung Magdeburg (IKND) sowie Sprecher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Magdeburg, stellte zentrale gesundheitliche Zusammenhänge für die Versorgung in den Mittelpunkt. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten in kombinierten Hirngesundheits- und Gedächtnissprechstunden optimal zu betreuen.

Düzel zeigte für die Schnittpunkte zwischen der Alzheimer Erkrankung und Hirngesundheit aktuelle zentrale „Megatrends“ auf: Neue Antikörpertherapien verlangsamen den Krankheitsverlauf, wenn sie möglichst früh eingesetzt werden, während digitale Selbsttests und Blutanalysen eine immer frühere Diagnose ermöglichen. Zugleich verschiebt sich der Fokus von einer Demenz-Prävention hin zum aktiven Erhalt kognitiver Leistungsfähigkeit. Es geht darum, Kognition zu stabilisieren, Krankheitsprozesse zu bremsen und vorhandene Hirn-Ressourcen gezielt zu stärken. Dabei spielt die Stärkung von kognitiven Dispositionen, die die Hirngesundheit fördern eine wichtige Rolle. Hierzu gehört z.B. Optimismus Und das Vermeiden von repetitiven negativen Gedanken.

Parallel dazu rückt eine besondere Gruppe in den Fokus der Forschung: die sogenannten „Super Ager“ – Menschen, die auch im hohen Alter außergewöhnlich leistungsfähig bleiben, in Untersuchungen wenig krankhafte Hirnveränderungen zeigen und wertvolle Hinweise auf Schutzmechanismen des Gehirns liefern.

Grundlagenforschung und Neurotechnologie

Neben diesen Entwicklungen ergänzt das Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN) die Perspektive des Zentrums um einen stärker grundlagenorientierten Zugang: Im Fokus stehen die Mechanismen von Lernen, Aufmerksamkeit und Handlungskontrolle und die Frage, wie sich Veränderungen in Hirnschaltkreisen in kognitive und psychische Gesundheit übersetzen lassen. Daraus entstehen neue Ansätze für Diagnostik und Therapie, etwa bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen. Ergänzend werden neurotechnologische Verfahren wie personalisierte Hirnstimulation und Neuroprothetik sowie Ansätze aus der Mikroelektronik und Künstlichen Intelligenz entwickelt. So entsteht eine direkte Brücke von der Grundlagenforschung zu konkreten Anwendungen in Prävention und Behandlung.

„Wenn wir verstehen, wie sich Lernen und Anpassung in den Schaltkreisen des Gehirns organisieren, können wir gezielter in diese Prozesse eingreifen und neue therapeutische Wege entwickeln“, sagt Prof. Dr. Stefan Remy, wissenschaftlicher Geschäftsführer des LIN. „Das Zentrum für Hirngesundheit bietet dafür die Chance, Grundlagenforschung und klinische Anwendung eng miteinander zu verzahnen.“

Neuropsychiatrische Gesundheit als tragende Säule

Neurodegenerative Erkrankungen werden gemeinsam von Neurologie und Psychiatrie behandelt. Integrative Konzepte wurden vorgestellt von Prof. Nickl- Jockschat, Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie und Sprecher des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG) am Teilstandort Magdeburg. Neben neurodegenerativen Erkrankungen werden hier auch Depressionen oder Schizophrenien behandelt, die mit ebenso starken Beeinträchtigungen für die Betroffenen einhergehen können wie etwa Demenzen. Für die Behandlung dieser schweren Krankheitsbilder spielt deshalb die Translation neuester Forschungsergebnisse in die klinische Praxis eine zentrale Rolle. So sollen innovative Konzepte für Früherkennung, aber auch für die spezifische Behandlung bestimmter Hirnnetzwerke, etwa im Rahmen der Neurostimulation, optimal zusammenwirken, um den bestmöglichen Therapieerfolg in jeder Phase einer Erkrankung sicherzustellen. Damit bündelt das Zentrum seine Expertise für eine ganzheitliche Versorgung. Der Schwerpunkt liegt hier auf der synergetischen Verknüpfung von frühzeitiger Diagnostik, individualisierter Therapie, auch für schwer zu behandelnde Fälle, und nachhaltigen Präventionsstrategien.

Einzigartiges Ökosystem für ganzheitliche Ansätze

Dass Körper und Geist nicht getrennt voneinander betrachtet werden können, spiegelt sich im „Magdeburger Ökosystem“ wider. Dekanin Prof. Dr. Daniela Dieterich präsentierte ein eng vernetztes Zusammenspiel aus Medizin, Naturwissenschaften, Engineering und Partnern wie dem Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN).

„Mit dem Zentrum für Hirngesundheit bündeln wir die einzigartige Expertise am Standort Magdeburg. Unser Ziel ist es, die Brücke von der Grundlagenforschung direkt in die medizinische Anwendung zu bringen — und diese Brücke bauen wir von Anfang an gemeinsam: Medizinerinnen, Naturwissenschaftler und Ingenieure forschen hier Seite an Seite, in gemeinsamen Strukturen und Verbundprojekten. Wer bei uns studiert und forscht, wird nicht auf eine Disziplin verengt, sondern für drei Welten ausgebildet. Moderne Versorgung setzt auf interdisziplinäre Ansätze, die beide Dimensionen – die physische und die psychische – gemeinsam betrachten. Den Nachwuchs, der das einlösen wird, formen wir bereits heute“, so Prof. Dieterich.

Gemeinsame Vision

Prof. Heinze unterstrich: „Mit dem Zentrum setzen wir unsere ursprüngliche Idee um: Forschung, Versorgung und Prävention so eng zu verzahnen, dass daraus ein neuer Standard für Hirngesundheit entsteht – mit dem Menschen im Mittelpunkt.“

„Hirngesundheit ist eine der großen Herausforderungen unserer alternden Gesellschaft, der sich die Universitätsmedizin Magdeburg mit dem neuen Zentrum gezielt stellt. Das Zentrum bündelt die enorme neurowissenschaftliche Expertise des Standorts und verbindet sie mit modernsten Technologien sowie internationaler Vernetzung. So entstehen neue Chancen, Erkenntnisse aus der Spitzenforschung in innovative diagnostische und therapeutische Ansätze zu überführen und die Versorgung sowie Lebensqualität nachhaltig zu verbessern“, ergänzte Prof. Weiß.

———

Foto: Feierliche Gründungsveranstaltung des Zentrums für Hirngesundheit an der Universitätsmedizin Magdeburg mit (v.l.) PD Dr. Matthias Janda, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Halle, Prof. Thomas Nickl-Jockschat, Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Magdeburg, Prof. Dr. Emrah Düzel, Direktor des Instituts für Kognitive Neurologie und Demenzforschung Magdeburg, Christine Michelfeit-Schaper, Pflegedirektorin des Universitätsklinikums Magdeburg, Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Magdeburg, Prof. Dr. Daniela Dieterich, Dekanin der Medizinischen Fakultät Magdeburg,  Finanzminister Michael Richter, Wissenschaftsminister, Prof. Dr. Armin Willingmann, Prof. Dr. Stefan Remy, wissenschaftlicher Geschäftsführer des LIN, Marco Bohn, Kaufmännischer Direktor des Universitätsklinikums Magdeburg sowie Prof. Dr. Helmut Weiß, Prorektor für Struktur der Universität Magdeburg.

(c) Fotografin: Sarah Kossmann / UMMD