Magdeburg. Ein neues Forschungsprojekt gemeinsam mit der Universitätsmedizin Magdeburg untersucht die Versorgung von Betroffenen mit Post-COVID. Für das Projekt werden Studienteilnehmende gesucht.
Viele Menschen, die eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben, leiden noch Monate später unter körperlichen und psychischen Beschwerden. Das Verbundprojekt VIBES – „Versorgungssituation, Versorgungsinanspruchnahme und Bedarfsanalyse von Patientinnen und Patienten mit postviralen Syndromen am Beispiel von Post-COVID“ untersucht gemeinsam mit Forschenden der Universitätsmedizin Magdeburg, wie Betroffene derzeit medizinisch versorgt werden, welche psychosozialen Unterstützungsbedarfe und ob Unter-, Über- oder Fehlversorgungen bestehen. Für das Forschungsprojekt werden Betroffene mit Post-COVID-Beschwerden, Hausärztinnen und Hausärzte sowie Mitarbeitende von Spezialambulanzen gesucht, die ihre Erfahrungen teilen möchten.
Bis Mai 2024 wurden in Deutschland rund 39 Millionen Infektionen mit SARS-CoV-2 offiziell bestätigt. Bei etwa zehn Prozent der Betroffenen – also rund 3,9 Millionen Menschen – treten Beschwerden auf, die Wochen oder Monate nach der eigentlichen Infektion bestehen bleiben oder neu auftreten – zum Beispiel anhaltende Erschöpfung, Atemprobleme oder Konzentrationsstörungen. Diese werden als Post-COVID-Syndrom bezeichnet. Bisher gibt es kaum einheitliche Leitlinien, wie diese Menschen optimal behandelt werden sollen. Mit dem Projekt VIBES soll ein Versorgungsmodell entwickelt werden, das bundesweit Anwendung finden kann und Betroffene gezielter unterstützt. Erkenntnisse könnten zudem auch auf Spätfolgen anderer Virusinfektionen übertragen werden.
Was passiert in der Studie?
In dem Projekt werden Patientinnen und Patienten beispielsweise zu anhaltenden Beschwerden, der Inanspruchnahme von Therapieangeboten und der Zufriedenheit mit der Behandlung befragt. Gleichzeitig wird die Perspektive der Leistungserbringer zur Versorgungslage berücksichtigt, indem sowohl Hausärztinnen und Hausärzte als auch Mitarbeitende in Spezialambulanzen befragt werden. Zusätzlich werden Daten der gesetzlichen Krankenkassen ausgewertet, um ein möglichst genaues Bild der Versorgung zu erhalten. So kann identifiziert werden, wo Betroffene zu wenig, zu viel oder nicht die passende Unterstützung erhalten und wo Verbesserungen notwendig sind.
Über diese verschiedenen Methoden sollen die bestehenden Versorgungspfade detailliert und strukturiert dargestellt werden. Auf diese Weise möchte das interdisziplinäre Forschungsteam ein einheitliches Modell für eine bedarfsgerechte Versorgung von Post-COVID-Betroffenen erarbeiten.
Im Erfolgsfall tragen die Ergebnisse des Projekts zu einem besseren Verständnis der Spätfolgen von COVID-19 bei und ermöglichen es, die Betroffenen gezielter und bedarfsgerechter zu therapieren. Darüber hinaus können hier gewonnene Erkenntnisse auch auf die Spätfolgen anderer viraler Infektionen übertragen werden und dort ebenfalls die Versorgung verbessern.
Wer kann mitmachen?
Gesucht werden Betroffene mit Post-COVID-Beschwerden, Hausärztinnen und Hausärzte sowie Leitungen von Spezialambulanzen, die Interesse haben, an der Studie teilzunehmen, um ihre Erfahrungen mit der Versorgung von Post-COVID zu teilen. Infos und Kontakte für Interessierte finden sich hier.
Das Projekt wird durch den Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) für drei Jahre mit insgesamt ca. 1,2 Millionen Euro gefördert.
Projektpartner:
· Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, TUM Klinikum Rechts der Isar, München (Projektleitung)
· Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
· Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
· Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Weitere Informationen unter: https://innovationsfonds.g-ba.de/projekte/vibes.681
Wissenschaftliche Kontakte:
Dr. med. Christine Allwang, Projektleitung und leitende Oberärztin der
Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des TUM Klinikums Rechts der Isar, E-Mail:christine.allwang@mri.tum.de
Prof. Dr. med. Florian Junne, Direktor der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, E-Mail: kpsm@med.ovgu.de
Prof. Dr. Christian Apfelbacher, Direktor des Instituts für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, E-Mail: christian.apfelbacher@med.ovgu.de
Prof. Dr. med. Rafael Mikolajczyk, Direktor des Instituts für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik der Medizinischen Fakultät der Martin Luther-Universität Halle-Wittenberg, E-Mail: rafael.mikolajczyk@medizin.uni-halle.de
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Symbolfoto: Post COVID – (c) wladimir1804 – stock.adobe.com
