Magdeburg. Über 11.000 von 13.000 befragten Patientinnen und Patienten unterstützen die medizinische Forschung in Magdeburg – Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin informiert sich über den Broad Consent und Digitalisierungsprojekte an der Universitätsmedizin Magdeburg.
Mehr als 11.000 von 13.000 befragten Patientinnen und Patienten der Universitätsmedizin Magdeburg (UMMD) haben seit Juli 2024 zugestimmt, dass ihre Gesundheitsdaten für Forschungszwecke verwendet werden dürfen. Mit dieser Entscheidung leisten sie einen direkten Beitrag, Krankheiten besser zu verstehen und Therapien zu verbessern. Die Zustimmung erfolgt im Rahmen des sogenannten Broad Consent, ein bundesweit einheitliches Verfahren, das die Nutzung von Behandlungsdaten für Forschung unter strengen Datenschutzauflagen erlaubt. Anlässlich des Erfolgs informierte sich Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne vor Ort über die praktische Umsetzung im Krankenhausalltag, den Weg der Daten sowie über laufende Digitalisierungsprojekte.
Bei jedem Krankenhausaufenthalt entstehen Daten: Laborwerte, Diagnosen, Therapieverläufe oder Angaben zu Vorerkrankungen. Diese Informationen werden im Rahmen der medizinischen Behandlung ohnehin erhoben. Mit dem Broad Consent entscheiden Patientinnen und Patienten selbst, dass ihre Gesundheitsdaten – in pseudonymisierter Form, also ohne Rückschluss auf einzelne Personen – auch für Forschungszwecke genutzt werden dürfen.
„Jede Einwilligung ist ein Baustein für die medizinische Forschung von morgen. Patientinnen und Patienten ermöglichen damit die Nutzung ihrer Daten nicht nur für ein einzelnes Projekt, sondern auch für zukünftige Studien, die heute noch gar nicht geplant sind und das ganz unkompliziert bei der Aufnahme ins Krankenhaus“, erklärt Dr.-Ing. Tim Herrmann, Geschäftsführer des Datenintegrationszentrums (DIZ) der Universitätsmedizin Magdeburg. Besonders bei Volkskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Demenz können die Daten entscheidend sein: Sie helfen, Muster zu erkennen, Therapien zu verbessern und somit den Alltag der Betroffenen spürbar zu erleichtern.
Eine zentrale Rolle bei der praktischen Umsetzung spielt das Team der Zentralen Aufnahme des Universitätsklinikums Magdeburg. Dort wird den Patientinnen und Patienten der Broad Consent erklärt, Fragen beantwortet und die Einwilligung eingeholt. Die technische Umsetzung und Integration in die Krankenhausprozesse erfolgte durch die IT-Abteilung des Universitätsklinikums sowie das DIZ, sodass die Daten sicher erfasst und verarbeitet werden können. Aileen Golling, stellvertretende Leiterin der Zentralen Aufnahme, berichtet: „Wir erleben täglich, dass Menschen die Möglichkeit begrüßen, aktiv zu helfen, besonders, wenn sie wissen, dass ihre Daten geschützt sind. Viele sagen: Wenn meine Daten vielleicht irgendwann dazu beitragen, dass andere schneller geheilt werden, mache ich das gern.“
Wissen teilen, Gesundheit verbessern
Ein wesentlicher Teil des Erfolgs liegt in der Kombination aus technischer Sicherheit, klarer Information und freiwilliger Entscheidung. Die Zustimmung gilt für fünf Jahre und kann jederzeit ohne Nachteile widerrufen werden. Eine unabhängige Treuhandstelle sorgt dafür, dass die Daten getrennt von persönlichen Angaben verwaltet und sicher verschlüsselt werden. Im DIZ werden die Daten dann aus der Behandlung in einheitlichen Formaten zusammengeführt, gespeichert und für Forschungszwecke bereitgestellt.
Der Anteil der Patientinnen und Patienten, die bereit sind, ihre Daten der Forschung zur Verfügung zu stellen, liegt bei 83 Prozent. Damit liegt Magdeburg leicht über dem bundesweiten Durchschnitt. In Zukunft soll der Broad Consent neben der Zentralen Aufnahme nach und nach in allen 26 Kliniken der UMMD eingeführt werden. „Gerade in Zeiten sensibler Datenschutzdebatten ist Vertrauen in die Nutzung medizinischer Daten entscheidend. Die hohe Beteiligung zeigt, dass viele Menschen den Wert medizinischer Forschung erkennen“, betont Prof. Dr. Daniela Dieterich, Dekanin der Medizinischen Fakultät Magdeburg. „Langfristig trägt der Broad Consent dazu bei, Forschungsergebnisse schneller in den Klinikalltag zu überführen. So kann eine personalisierte Medizin entstehen, die stärker auf individuelle Bedürfnisse eingeht. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: bessere Diagnosen, gezieltere Behandlungen und ein sicherer Umgang mit ihren Daten.“
Ministerin Grimm-Benne unterstrich bei ihrem Besuch: „Ein ethisch verantwortungsvoller Umgang mit Patientendaten und sichere digitale Lösungen wie der Broad Consent sind ein entscheidender Baustein für eine Medizin der Zukunft. Umfangreiche Informationen und Proben aus breiten Populationen können helfen, Trends und Ausbrüche von Krankheiten frühzeitig zu erkennen und gezielt darauf zu reagieren. Ob es um den Umgang mit Pandemien oder die Bekämpfung von chronischen Erkrankungen geht: Durch eine effizientere Forschung können frühzeitig Maßnahmen getroffen werden, die sowohl im medizinischen als auch im öffentlichen Bereich langfristige Kosten sparen. Vor allem können dadurch langfristig auch Heilungschancen für Patientinnen und Patienten verbessert werden.“
Hintergrund
Der Broad Consent in Magdeburg ist Teil der bundesweiten Medizininformatik-Initiative (MII) und des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM), die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Ziel ist es, routinemäßig erhobene Behandlungsdaten bundesweit für die Forschung nutzbar zu machen. Ein wesentlicher Vorteil ist die bundesweite Einheitlichkeit: Der von der MII abgestimmte Mustertext wird an allen Universitätskliniken eingesetzt. Dadurch können Daten aus verschiedenen Standorten einfacher zusammengeführt und verglichen werden – eine wichtige Grundlage für nationale Forschungsnetzwerke und Kooperationen.
Foto: Bei einem Besuch an der Universitätsmedizin Magdeburg informierte sich Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne über den Broad Consent und weitere Digitalisierungsprojekte. Die erste Station war die Zentrale Patientenaufnahme und der Prozess der Einwilligung; anschließend zeigte Dr.-Ing. Tim Herrmann im Datenintegrationszentrum (DIZ), wie die erhobenen Daten verarbeitet und für Forschung und Versorgung genutzt werden. (c) Fotografin: Sarah Kossmann / UMMD

