Kardiologie-Team implantiert neuartigen kabellosen Schrittmacher direkt im Gewebe der Kammer

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Magdeburg. Erstmals hat jetzt das Team der Kardiologie von Klinik-Chefarzt Prof. Dr. Hendrik Schmidt (Foto) eine AVEIR Implantation am Herzen eines Patienten vorgenommen. Dabei wurde der neuartige, kabellose Zweikammer-Herzschrittmacher über ein Katheter-System direkt im Herzgewebe verankert. Bisherige Geräte brauchten hierfür einen Schnitt in der Nähe des Schlüsselbeins des Patienten, von wo aus der Schrittmacher unter der Haut platziert wurde und lange Elektroden über die Gefäße ins Herz vorgeschoben wurde. Diese aufwendige Prozedur entfällt nun für den Patienten.

„Wir haben dadurch weniger Komplikationen unmittelbar nach dem Eingriff und der Patient hat vor allem auch keine Kabel mehr in den Gefäßen. Diese können nämlich dauerhaft Probleme machen, wenn etwa mit den Jahren die Gefäße verkalken oder die Elektroden kaputt gehen“, erklärt Prof. Schmidt.

Beim AVEIR-Schrittmacher, der ungefähr so groß wie eine AAA-Batterie ist, gibt es an dem einen Ende eine schraubartige Verankerung, mit der die Kardiologen das Geräte im Inneren des Herzens in das Gewebe drehen können. Dort sitzt das System dann als Ein- oder Zweikammer-Lösung sowohl in der Hauptkammer als auch ggfs. im Vorhof fest, kontrolliert die Frequenz des Herzens und gibt bei Bedarf einen Impuls ab. „Im Gegensatz zu anderen, ähnlichen Systemen können wir den AVEIR-Schrittmacher aber auch wieder entfernen, indem wir ihn einfach wieder aus dem Herzgewebe herausdrehen. Das geht selbst nach längerer Implantationszeit noch in über 88 Prozent der Fälle“, sagt Prof. Schmidt.

Den Zugang zum Herzen verschaffen sich die Spezialisten über ein Gefäß in der Leiste. Von dort aus wird das Katheter-System per Röntgen bis zum Herzen vorgeschoben. Ist man vor Ort, geht es über die Herzklappen ins Herz hinein. Das AVEIR-System ist nicht nur viel praktischer bei der Implantation und im Alltag, sondern auch aufrüstbar, um aktuelle und künftige Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten erfüllen zu können. „Wir haben hiermit also eine Lösung für alle gängigen Herzschrittmacher-Indikationen“, so Prof. Schmidt. Natürlich komme es darauf an, die bestmögliche Therapie individuell für jeden Patienten zu finden.

Titelfoto: Prof. Dr. Hendrik Schmidt, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Diabetologie (c) Klinikum Magdeburg