Das Weltwirtschaftsforum lockt in dieser Woche wieder die politisch-ökonomische Weltelite in den Schweizer Wintersportort Davos. Staats- und Regierungschefs, CEOs großer Unternehmen, mächtige Nichtregierungsorganisationen – das WEF versteht sich als eine Art globaler Runder Tisch, an dem eine bessere Welt geschaffen werden soll.
Doch die Rahmenbedingungen des Treffens sind schwierig: WEF-Chef Børge Brende spricht vom komplexesten geopolitischen Hintergrund seit 1945. Zunehmende Fragmentierung statt einer integrierten Weltwirtschaft, ein rascher technologischer Wandel mit Künstlicher Intelligenz als Chance und Risiko zugleich. Dazu Russlands Krieg in der Ukraine, die Protestwelle im Iran, die US-amerikanischen Ambitionen in Grönland – sie alle werden das Davoser Spitzentreffen prägen.
Was ist das Weltwirtschaftsforum?
Das Weltwirtschaftsforum (WEF) ist eine Stiftung, die 1971 vom deutschen Wirtschaftswissenschaftler Klaus Schwab gegründet wurde. Im vergangenen Jahr zog sich Schwab von allen Posten beim WEF zurück – kurz danach wurden Anschuldigungen wegen finanziellen und ethischen Fehlverhaltens öffentlich. Das Forum hat diese inzwischen untersucht und als haltlos zurückgewiesen. Trotzdem hat nun der Norweger Brende das Sagen, Schwab wird nicht zu sehen sein.
Was passiert in Davos?
Eigentlich sollen sich die Mitglieder des Weltwirtschaftsforums, überwiegend große Firmen, hier Gedanken über ihren Beitrag zur Lösung weltweiter Krisen machen, auch beim Klima und mit Blick auf soziale Ungleichheit. Abseits des Kongresszentrums, wo es Podiumsdebatten und Reden gibt, geht es aber eher ums Geschäft. Große Unternehmen wie Google, Microsoft, Palantir oder Nvidia haben auf der Promenade, der zentralen Davoser Straße, temporäre Firmenzentralen eingerichtet, abends gibt es Empfänge, mittags exklusive Lunch-Treffen.
Seit Jahren nutzen außerdem Politiker aus aller Welt das Forum für Gespräche in informellem Rahmen. Immer wieder gab es auch weltpolitisch bedeutende Durchbrüche, etwa in Bezug auf das Ende der Apartheid in Südafrika.
Was ist in diesem Jahr wichtig?
Das Motto lautet «Im Geiste des Dialogs» («A Spirit of Dialogue»). Auf dem offiziellen Programm finden sich die Schlagworte Künstliche Intelligenz, Biotech und die Suche nach neuen Quellen für das in vielen Industrieländern schwächelnde Wirtschaftswachstum.
Doch eigentlich könnte man das WEF 2026 auch mit einem Namen überschreiben: Donald Trump. Der US-Präsident kommt persönlich – und zwar mit der größten US-Delegation, die das Treffen von Topmanagern und Politikgrößen je gesehen hat. Außenminister Marco Rubio soll dabei sein, ebenso Finanzminister Scott Bessent und der Sondergesandte Steve Witkoff. Ihre Präsenz rückt Geopolitik statt neuer Technologien in den Mittelpunkt des WEF.
Was ist von Trump zu erwarten?
Im vergangenen Jahr hatte sich Trump wenige Tage nach seiner Vereidigung digital zuschalten lassen und der Wirtschaftselite mit Zöllen gedroht, die er wenig später auch wahrmachte. Nun sorgt er schon vor dem Treffen mit neuen Zollankündigungen für Wirbel – diesmal wegen des Konflikts um Grönland und auch gegen Deutschland.
In der Bundesregierung macht man sich inzwischen ernste Sorgen um das transatlantische Verhältnis. Frühere Handelspartner seien wirtschaftspolitische Konkurrenten geworden, sagte Vizekanzler Lars Klingbeil neulich. Neben China nannte er die USA. Trumps Regierung setze auf Protektionismus und Zollpolitik und wende sich auch kulturell immer weiter von Europa ab.
Trumps Rede dürfte vor allem eine machtpolitische Demonstration werden. Seine Grönland-Ambitionen, der Iran, ein wirtschaftspolitisches Austreten gegen China, eine Lobhudelei auf die eigene Politik, all das darf man erwarten, in durchaus provokantem Ton. Denn so sehr dem selbst ernannten «Dealmaker» Trump die geschäftliche Seite des WEF auch liegen mag, so fremd sind ihm dessen Werte wie Multilateralismus, offene Märkte und Globalisierung.
Text/Foto: Welt Nachrichtensender am 19. Januar 2026
