Die Wildnis ruft – und das nicht in Kanada oder Alaska, sondern direkt vor der Haustür, mitten in Deutschland und Sachsen-Anhalt! Auf einer Teilfläche des einstigen Bitterfelder Braunkohlenreviers darf sich die Natur seit Beginn der 2000er Jahre weitestgehend ohne Eingriffe des Menschen entwickeln. Die „Goitzsche-Wildnis“ der BUNDstiftung umfasst mittlerweile rund 1.300 Hektar. Das langfristig angelegte Naturschutzprojekt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld wird vom Umweltministerium auch in den kommenden Jahren unterstützt.
Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann überreichte dafür heute vor Ort zwei Förderbescheide aus EU- und Landesmitteln über insgesamt 758.000 Euro – für die weitere Entwicklung der Wildnis-Fläche sowie Angebote zur Umweltbildung für Jung und Alt.
Willingmann sagte: „Vom Tagebau zur Wildnis: Ein Teil der ehemaligen Braunkohleflächen an der Goitzsche ist zum Lebensraum für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten geworden. Wo Menschen fast 100 Jahre lang das braune Gold abbauten, hat die Natur die Flächen zurückerobert und ein einzigartiges Mosaik aus Seen, Wäldern, Trockenrasen und Feuchtgebieten geschaffen. Die Goitzsche wird so zu einem Labor der Natur, das aber auch für Menschen interessant ist. Daher unterstützen wir neben der weiteren Entwicklung der Goitzsche-Wildnis auch die Entwicklung von Angeboten zur erlebnisreichen Vermittlung des Projekts.“
Ralf Meyer, Projektleiter „Goitzsche-Wildnis“ bei der BUNDstiftung, ergänzte: „Ich bin heute sehr froh, dass die Mütter und Väter der Goitzsche-Wildnis, allen voran Sachsen-Anhalts ehemalige Umweltministerin Dr. Heidrun Heidecke, vor mehr als 25 Jahren die Weitsicht und Durchsetzungskraft hatten, Tagebauflächen für die ungestörte Entwicklung der Natur zu reservieren. So entstanden nicht nur faszinierende Lebensräume mit zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten, sondern auch die Möglichkeit für alle Bürgerinnen und Bürger, diese hautnah zu erleben. Mit beiden Förderungen können Artenschutz- und Bildungsmaßnahmen deutlich intensiviert werden.“
Details zum Förderprojekt „Refugium Goitzsche-Wildnis“
Die Förderung über rund 475.000 Euro zur weiteren Entwicklung der Wildnis-Fläche bis Mitte 2029 erfolgt über das Programm „Biodiversität, Schutzgebietssystem Natura 2000″; die Fördermittel stammen zu 80 Prozent von der EU (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums, ELER) und zu 20 Prozent vom Land. Damit werden u.a. konkrete Schutzmaßnahmen für bedrohte Tierarten, die Dokumentation zu Artenvielfalt und fortschreitender Wildnis-Entwicklung, Maßnahmen zur Besucherlenkung, die Durchführung von Wildnis-Tagen sowie der Betrieb von Live-Kameras etwa am Fischadler-Horst unterstützt.
Details zum Förderprojekt „Die Goitzsche im Wandel“
Die Schaffung von Angeboten zum Wildnis-Erleben im Rahmen der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ werden bis Ende 2029 mit rund 283.000 Euro aus dem Programm „Sachsen-Anhalt Nachhaltigkeitsbildung“ gefördert; insgesamt investiert die BUNDstiftung hierfür knapp 405.000 Euro. Zielgruppen sind vor allem Ferienkinder, Schulklassen und Kita-Gruppen, aber auch Erwachsene, Familien und Vereine. Die von der BUNDstiftung entwickelten pädagogischen Angebote nehmen die wachsende Wildnis sowie die regionale Tier- und Pflanzenwelt in den Fokus und stellen einen Bezug zu Naturschutz und Umweltthemen her. Interessierte können beispielsweise die spannende Welt der Insekten erleben, Pflanzen und Vögel in der Goitzsche-Wildnis kennenlernen oder sich über uralte Zeitzeugen wie Moor-Eichen und Findlinge informieren.
Die Goitzsche-Wildnis ist heute Lebensraum und Rückzugsort für viele seltene und zum Teil geschützte Arten wie etwa Fisch- und Seeadler, Kranich, Kreuzkröte, Biber, Fischotter oder Rohrdommel. Großer Pluspunkt: Die Flächen werden weder forstlich oder landwirtschaftlich noch für die Fischerei genutzt. Daher können sich Wälder wie Gewässer ungestört entwickeln und die Böden sind vor Düngemitteln und Pestiziden geschützt.
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Quelle: Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt am 17. April 2026
Foto: Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann überreichte heute vor Ort zwei Förderbescheide (c) Nicky Hellfritzsch
