Die Ukraine greift die russische Hauptstadt mit fast 200 Drohnen an. Eine große Raffinerie gerät in Brand – und die russische Flugabwehr zeigt sich einmal mehr hilflos.
Die Ukraine hat bei einem der massivsten Drohnengriffe auf Moskau seit Kriegsbeginn eine Ölraffinerie im Südosten der russischen Hauptstadt schwer beschädigt.
In sozialen Netzwerken kursieren teilweise spektakuläre Bilder und Videos von der Attacke und den Folgen. So ist auf mehreren unabhängig voneinander gemachten Aufnahmen zu sehen, wie bei einer Explosion der Stahldeckel eines Öltanks meterhoch in die Luft geschleudert wird. In der Anlage wüten mehrere Feuer, Rauchschwaden stehen im Südosten der russischen Hauptstadt hoch am Himmel.
Einigen Drohnen sei es gelungen, die Raffinerie zu erreichen, räumte Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin ein. Seinen Angaben nach ist die Attacke eine der schwersten ukrainischen Drohnenangriffe auf Moskau seit Kriegsbeginn. Nach letztem Stand hat die Flugabwehr mehr als 190 Drohnen abgeschossen.
Flugabwehr zeigt sich hilflos
Zahlreiche Aufnahmen von Augenzeugen zeigen allerdings auch die teilweise Hilflosigkeit der Flugabwehr. «Scheiße, daneben», schreit ein Augenzeuge, als er filmt, wie eine der Flugabwehrraketen an der Drohne vorbeirast. Die wiederum fliegt – trotz des andauernden Gewehrfeuers – durch eine Rauchsäule von einem früheren Einschlag weiter auf die Ölanlage zu. Zehn Sekunden später schlägt auch ein zweiter Versuch, den unbemannten Flugkörper mit einer Rakete abzuschießen, fehl. Wo die Flugabwehrraketen einschlagen, bleibt unklar; die Drohne erreicht dem Anschein nach ihr Ziel.
Auf einem anderen Video trifft ein Flugabwehrgeschoss zwar eine der Drohnen, bringt sie aber nicht in der Luft zur Explosion. Die Drohne detoniert erst in einem Gartenfachmarkt nahe der Raffinerie und richtet dort Schäden an. Getroffen wird auch die riesige Einkaufs-Mall «Weiße Datscha» in der Nähe des Gartenrings, wo vor dem Krieg noch ein großer Ikea-Markt war.
Die Einschläge 15 Kilometer vom Kreml entfernt sind für das Image der russischen Führung ein Desaster. Die russischen Regionen leiden zwar seit langem unter zunehmendem Beschuss durch ukrainische Drohnen, doch die Hauptstadt galt als relativ sicher. Zuletzt wurden in Moskau weitere Flugabwehrsysteme vom Typ Panzir auf Dächern von Wohnhäusern installiert. Bei der Attacke in der Nacht zeigten sich die Maßnahmen als weitgehend wirkungslos.
Mehrere Bandherde in der Raffinerie
Offiziell ist bislang nichts über das Ausmaß der Schäden in der Ölverarbeitungsanlage bekannt. Das unabhängige Internetportal «Astra» hat nach der Auswertung von Videoaufnahmen mindestens fünf Brandherde in der Raffinerie ausgemacht.
Offiziellen Angaben zufolge wurde auch ein Wohnhaus in Moskau getroffen. Im Umland sei ebenfalls ein Hochhaus beschädigt worden, teilte der Gouverneur der Region Andrej Worobjow mit. Über Verletzte in Moskau und Umgebung ist bislang nichts bekannt. Wegen der Angriffe wurden die vier Moskauer Flughäfen für mehrere Stunden geschlossen.
Selenskyj bestätigt Attacke
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte in sozialen Netzwerken die Attacke auf die Raffinerie. Er bezeichnete den Angriff als Teil der ukrainischen «Langstrecken-Sanktionen» gegen die russische Ölindustrie. Das sei die gerechte Antwort auf die ständigen russischen Schläge gegen ukrainische Städte und Gemeinden, schrieb er.
Er dankte den ukrainischen Geheimdiensten für den Angriff. Die Anlage sei ein für die russische Kriegsmaschinerie wichtiges Objekt gewesen, schrieb er.
Der Angriff auf die russische Hauptstadt fiel erneut mit einem von Präsident Wladimir Putin veranstalteten internationalen Großereignis zusammen, dem ASEAN-Gipfel in Kasan an der Wolga. Anfang Juni hatte die Ukraine weithin sichtbar ein Tanklager in St. Petersburg in Brand geschossen, als dort Putins Internationales Wirtschaftsforum tagte.
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Text/Foto: Welt Nachrichtensender am 18. Juni 2026
