Mit großem Befremden und erheblicher Verärgerung habe ich aus der Presse erfahren, dass die DEGES den geplanten Lückenschluss der BAB 14 im Landkreis Börde auf einer Länge von rund 11 Kilometern auf unbestimmte Zeit verschoben hat. In diesem Punkt schließe ich mich den Ausführungen unserer Landesministerin für Infrastruktur und Digitalisierung, Lydia Hüskens, vollumfänglich an.
Dass eine derart weitreichende Entscheidung zunächst über die Medien bekannt wird und nicht im direkten Austausch mit den betroffenen Kommunen und Landkreisen kommuniziert wird, ist bereits für sich genommen schwer nachvollziehbar. Noch schwerer wiegt jedoch die inhaltliche Tragweite dieser Entscheidung.
Über Jahre hinweg wurde von den Verantwortlichen auf Bundes- und Projektebene die Erwartung geweckt, dass der vollständige Lückenschluss der BAB 14 (nunmehr) bis zum Jahr 2029 realisiert werden kann. Auf dieser Grundlage hat nicht nur der Landkreis Börde, sondern auch unsere kreisangehörigen Kommunen Unternehmen, Investoren sowie Bürgerinnen und Bürger ihre Erwartungen und Planungen ausgerichtet. Wer über Jahre konkrete Zielhorizonte kommuniziert, schafft Vertrauen und begründet berechtigte Erwartungen. Umso größer ist die Enttäuschung, wenn diese Perspektive plötzlich infrage gestellt wird und stattdessen von einer Verschiebung auf unbestimmte Zeit die Rede ist.
Die Landkreise in Deutschland – so auch der Landkreis Börde – übernehmen tagtäglich Verantwortung für die Entwicklung ihrer Regionen. Sie schaffen Rahmenbedingungen für Wirtschaft, Wohnen, Bildung und Mobilität. Dabei sind sie jedoch auf eine verlässliche Infrastrukturpolitik des Bundes angewiesen. Wer von den Regionen wirtschaftliche Stärke, Investitionen und Bevölkerungsstabilität erwartet, muss auch die infrastrukturellen Voraussetzungen schaffen, damit diese Ziele überhaupt erreicht werden können.
Gerade für ländlich geprägte Räume ist eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur von herausragender Bedeutung. Sie entscheidet darüber, ob Unternehmen investieren, ob Arbeitsplätze entstehen und erhalten bleiben, ob junge Familien in der Region bleiben und ob neue Einwohner gewonnen werden können. Infrastruktur ist kein Selbstzweck – sie ist die Grundlage für wirtschaftliche Entwicklung, gesellschaftliche Teilhabe und gleichwertige Lebensverhältnisse.
Der Lückenschluss der BAB 14 steht dabei exemplarisch für ein Problem, das viele Menschen zunehmend frustriert. Seit weit mehr als einem Jahrzehnt wird über dieses Projekt diskutiert, geplant, angekündigt und verschoben. Generationen von kommunalen Verantwortungsträgern haben sich mit diesem Vorhaben beschäftigt. Dennoch ist bis heute kein belastbares Ende in Sicht. Das ist weder mir, den Bürgerinnen und Bürgern noch der Wirtschaft vermittelbar.
Die Folgen dieser Unsicherheit sind erheblich. Unternehmen benötigen Planungssicherheit für Investitionsentscheidungen. Logistik-, Produktions- und Dienstleistungsbetriebe bewerten Standorte zunehmend nach ihrer verkehrlichen Erreichbarkeit. Wenn zentrale Infrastrukturprojekte über Jahre oder gar Jahrzehnte ohne verlässliche Perspektive bleiben, geraten Regionen im Wettbewerb ins Hintertreffen. Die Konsequenzen reichen von ausbleibenden Investitionen bis hin zu Nachteilen bei der Gewinnung von Fachkräften. Hinzu kommt, dass unser Landkreis bereits heute erhebliche Belastungen durch den überregionalen Verkehr trägt.
Die BAB 2, eine der wichtigsten Verkehrsachsen Deutschlands, verläuft auf rund 89 Kilometern durch den Landkreis Börde. Die dort regelmäßig stattfindenden Sanierungs- und Baumaßnahmen führen immer wieder dazu, dass insbesondere der Schwerlastverkehr auf Kreis-, Gemeinde- und Ortsstraßen ausweicht. Die Auswirkungen spüren unsere Menschen vor Ort unmittelbar: steigende Verkehrsbelastungen, zusätzlicher Lärm, mehr Schadstoffemissionen sowie ein deutlich höherer Verschleiß der kommunalen Infrastruktur. Straßen, die ursprünglich für den örtlichen Verkehr konzipiert wurden, werden durch tausende zusätzliche Fahrzeuge belastet. Die Kosten für Reparaturen und Instandhaltung verbleiben dabei weitgehend bei den Kommunen. Ein angemessener finanzieller Ausgleich durch den Bund erfolgt bislang nicht.
Vor diesem Hintergrund ist die Verschiebung des BAB 14-Lückenschlusses nicht nur eine weitere Verzögerung eines Infrastrukturprojektes. Sie ist ein Schlag gegen die Entwicklungsperspektiven im Landkreis Börde. Während die Kommunen die Folgen bundesweiter Verkehrsströme tragen, werden gleichzeitig die dringend benötigten Lösungen immer weiter hinausgeschoben.
Ich erwarte deshalb von der DEGES sowie von den zuständigen Stellen des Bundes eine unverzügliche und transparente Erklärung über die Gründe dieser Entscheidung. Darüber hinaus fordere ich einen realistischen, verbindlichen und öffentlich nachvollziehbaren Zeitplan für die Fertigstellung des Projekts. Die Menschen in unserer Region haben Anspruch auf Klarheit und Verlässlichkeit.
Der Bund darf die betroffenen Landkreise mit diesen Herausforderungen nicht alleinlassen. Wer für gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land steht, muss auch dafür sorgen, dass die notwendigen Verkehrsprojekte umgesetzt werden. Ankündigungen und Zieljahre allein reichen nicht aus. Entscheidend sind sichtbare Fortschritte und verlässliches Handeln. Die Bürgerinnen und Bürger unseres Landkreises haben lange genug Geduld bewiesen. Die Wirtschaft braucht Perspektiven. Die Kommunen brauchen Planungssicherheit. Und unsere Region braucht endlich die Infrastruktur, die ihr seit Jahrzehnten zugesagt wird. Der Bund steht hier in der Verantwortung, dieser Erwartung gerecht zu werden. Nur so können wir die Zukunftsfähigkeit unseres Landkreises dauerhaft sichern und unsere Region als attraktiven Wirtschafts- und Lebensstandort erhalten.
Landrat Martin Stichnoth (c) Landkreis Börde am 16. Juni 2026
