Naturschutzgebiet leidet schon jetzt unter anhaltender Trockenheit / Landkreis Börde: LHW setzt Wehre für mehr Wasserrückhalt im „Großen Bruch“

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Aufgrund der länger anhaltenden und noch zu erwartenden Trockenheit setzt der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) in Abstimmung mit dem Landkreis Börde jetzt die Wehre Aderstedt, Schlanstedt und Neuwegersleben im Großen Graben. Dadurch soll künftiges Niederschlagswasser in der Fläche gehalten und der Wasserhaushalt im Naturschutzgebiet „Großes Bruch bei Wulferstedt“ verbessert werden. Die Wehre Sachsenland und Wulferstedt sind bereits seit geraumer Zeit in Betrieb.

Die Maßnahme erfolgt auf Grundlage der im September 2025 vom Landtag beschlossenen Novelle des Landes-Wassergesetzes. Damit verfolgt das Umweltministerium das Ziel, das kostbare Nass künftig nicht mehr schnell abfließen zu lassen, sondern möglichst lange in kleineren Gewässern zu halten, um regionale Wasserhaushalte in Zeiten anhaltender Hitze- und Dürreperioden zu stabilisieren.

„Durch den voranschreitenden Klimawandel dürften in den Sommermonaten landesweit Trockenphasen zunehmen, die zugleich länger anhalten. Um Sachsen-Anhalt dagegen zu wappnen, haben wir mit der Wassergesetz-Novelle die Weichen für ein modernes Wassermanagement gestellt. Ich freue mich, dass der LHW und der Landkreis Börde für dieses Ziel nun zeitnah zusammenarbeiten“, betont Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann.

Im Zuge des Setzens der Wehre ist mit höheren Wasserständen in Gewässern und Gräben zu rechnen, die in den Großen Graben münden; Auswirkungen werden über die vorhandenen Lattenpegel dokumentiert. Zugleich kann sich die Abflussmenge im Großen Graben kurzfristig für die Zeit des Aufstauens etwas verringern. Sobald die dortigen Wehrtafeln überströmt werden, steigt der Wasserstand wieder an.

Das rund 800 Hektar große Naturschutzgebiet „Großes Bruch bei Wulferstedt“ liegt im Niedermoorgebiet „Großes Bruch“, das sich von Oschersleben (Bode) im Landkreis Börde über den Landkreis Harz bis nach Niedersachsen erstreckt. Das Gebiet ist geprägt durch ein verzweigtes Grabensystem, Feuchtwiesen sowie extensiv genutztes, artenreiches Grünland (Mähwiese, Weide). Durch die in den 1970er Jahren zur Entwässerung angelegten Gräben, die u.a. mit Stauanlagen versehen sind, ist das Niedermoor stark beeinträchtigt. Die akuten Trockenjahre vor allem seit 2018 haben die unzureichende Versorgung des Gebietes mit Wasser weiter verstärkt, die Böden trocknen weiter aus. Die Folge: Der Artenschutz leidet und der organische Boden setzt vermehrt CO2 frei.

Mehr Wasserrückhalt soll die Zersetzung aufhalten und neues Moorwachstum initiieren. Dafür fördert das Umweltministerium aktuell eine Untersuchung des Landkreises Börde mit rund 134.500 Euro. Hierbei werden zunächst detaillierte Daten u.a. zu Hydrologie, Geländestruktur und Wasserhaushalt gesammelt. Auf dieser Basis sollen dann konkrete Maßnahmen geplant werden, um die Funktion des Moorgebiets für den Biotop- und Artenschutz sowie als CO2-Speicher zu stärken.

Titelfoto: Wehr Aderstedt (c)LHW

Kartenansicht über die Wehrstandorte im Großen Bruch