Könnern/Magdeburg. Die Malteser in Sachsen-Anhalt bauen ihren Besuchshundedienst weiter aus. Erstmals hat nun in Könnern ein Ausbildungskurs für mehrere Besuchshunde-Tandems gleichzeitig begonnen.
„Der neue dreimonatige Kurs läuft bis Ende April und schließt mit einer praktischen Prüfung sowie der Zertifizierung der Teams ab“, erklärt Katrin Leuschner, die als Malteser-Referentin für Soziales Ehrenamt den Kurs koordiniert. Ausgebildet werden die Ehrenamtlichen und ihre Hunde von Hundetrainerin und Hundepsychologin Ramona Wegemann von der Hundeschule Just Woof in Könnern. Sie selbst ist ehrenamtlich für die Malteser im Einsatz und weiß aus Erfahrung mit ihren eigenen Hunden, worauf es beim Besuchsdienst mit Hund ankommt.
Insgesamt sind acht Tandems dabei. Die Hunderassen sind unterschiedlich: Neben zwei Mischlingen sowie weiteren sind auch ein Zwergspitz, ein Rauhaardackel und ein Labrador vertreten. Ramona Wegemann sagt: „Wir haben ein ganz buntes Portfolio an Hunden dabei – von klein und flauschig bis groß und glatthaarig ist alles vertreten. Generell ist jeder Hund dafür geeignet, wenn er die charakterlichen Eigenschaften mitbringt. Größe und Rasse spielen dabei eine untergeordnete Rolle.“
Die Ausbildung umfasst unter anderem Grundgehorsam, den Umgang mit Rollstühlen, Dingen, die auf dem Boden liegen und Geräuschen in stationären Einrichtungen, das sichere Verhalten gegenüber fremden Menschen sowie das Training typischer Besuchssituationen. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein freundliches Wesen des Hundes und ein sicherer Grundgehorsam. „Denn die Hunde sollen Streicheleinheiten gelassen erleben, kleine Leckerlis nehmen können, und dabei Nähe schenken können. Denn das steht im Fokus des Dienstes als Besuchshund“, erklärt Katrin Leuschner.
Für Ramona Wegemann heißt das: „Die Hunde dürfen nicht zu stürmisch sein und müssen mit Vorsicht an die Leute herangehen. Sie dürfen nicht hochspringen, nicht kratzen und nicht ängstlich sein – sie müssen sich anfassen lassen.“
Im Fokus der Ausbildung und des späteren Dienstes stehe immer der Hund. Dieser müsse sich wohlfühlen, und das, was er tut, gerne tun. Das einzuschätzen, habe für die Hundeführenden oberste Priorität.
Die Teilnehmenden selbst bringen klare Vorstellungen mit. So sagt Nadine Hänisch, Hundeführerin von Rozetta, einer sechsjährigen Magyar Vizsla: „Ich finde, dass meine Hündin dafür geeignet ist, weil sie ein ruhiges Wesen hat, sehr menschenfreundlich ist, in sich ruht und Spaß an Menschen hat.“
Die Malteser übernehmen zwar einen kleinen Anteil der Ausbildungskosten. Den überwiegenden Anteil tragen aber die Ehrenamtlichen selbst. Rozettas Hundeführerin: „Das ist kein Problem. Das ist für mich absolut plausibel. Schließlich lernen wir ja was dabei.“
Viele Ehrenamtliche nehmen zudem längere Anfahrtswege in Kauf. Rozettas Hundeführerin kommt aus dem 30 Kilometer entfernten aus Eisleben, eine andere Teilnehmerin aus einem Ort bei Havelberg. Damit alle die Ausbildung mit ihren Fellnasen absolvieren können, setzt sich der Kurs aus Online- und Präsenzterminen zusammen.
„Nach Abschluss der Ausbildung werden die Tandems regelmäßig Einrichtungen in ihrer Region besuchen – wöchentlich oder im 14‑Tage‑Rhythmus“, sagt Katrin Leuschner. Die Malteser unterstützen bei der Auswahl geeigneter Einsatzorte. Die Teilnehmenden können eigene Vorschläge machen, zudem können sich Einrichtungen und Tagespflegen aus den Regionen Halle, Magdeburg, Havelberg, Eisleben und Dessau für eine Zusammenarbeit melden.
Damit der Besuchshundedienst dauerhaft eine Einrichtung unterstützen darf, werden Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen. Für Einrichtungen ist das kostenfrei.
Rozettas Hundeführerin hat bereits mögliche Einsatzorte im Blick: „Wir haben ein Krankenhaus in Eisleben, wir haben mehrere Seniorenheime, wir haben ein Hospiz und eine Kindertageseinrichtung. Ich denke, da gibt es gute Möglichkeiten, wo wir Menschen mit unseren regelmäßigen Besuchen eine Freude machen können.“
Hintergrund
Bislang sind vier Besuchshunde-Tandems der Malteser in Sachsen-Anhalt aktiv – in Sangerhausen, Magdeburg, Könnern und Haldensleben – und besuchen dort unter anderem Altenpflegeeinrichtungen, Einrichtungen der Suchthilfe sowie betreute Wohnformen.
Bei erfolgreicher Resonanz soll der Besuchshundekurs künftig einmal jährlich stattfinden.
Foto: Malteser-Besuchshunde (c) Malteser Hilfsdienst/Mandy Börner-Hannemann
