Magdeburger Forschungsteam sucht Vorschulkinder für Studie zu Lernen und Aufmerksamkeit

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Universitätsmedizin Magdeburg untersucht, ob Hinweise auf ADHS und Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten schon vor der Einschulung erkennbar sind

Wie früh lassen sich Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Konzentrieren erkennen? Ein Forschungsteam der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin des Kindes- und Jugendalters Magdeburg sucht Vorschulkinder ab sechs Jahren für eine Studie im Forschungsprojekt CADDY. Ziel ist es, besser zu verstehen, ob sich Hinweise auf spätere Lern- und Aufmerksamkeitsprobleme bereits vor dem Schulstart zeigen. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, Kinder frühzeitig zu unterstützen und Familien besser zu begleiten.

Früher erkennen, was Kinder brauchen

Kinder starten mit unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule. Manche lernen schnell lesen und schreiben, andere benötigen mehr Unterstützung. Auch Aufmerksamkeit und Konzentration entwickeln sich unterschiedlich. Häufig werden Schwierigkeiten jedoch erst erkannt, wenn Kinder bereits mehrere Jahre in der Schule sind – mit möglichen Folgen für schulische Leistungen, Selbstvertrauen oder soziale Teilhabe.

Gleichzeitig zeigen frühere Studien, dass frühe Auffälligkeiten keine sicheren Vorhersagen erlauben. Nicht jedes Kind mit frühen Auffälligkeiten entwickelt später Probleme und umgekehrt können Schwierigkeiten auch ohne frühe Hinweise auftreten. Die Forschenden untersuchen daher, welche Anzeichen es gibt und wie zuverlässig sie sind.

„Wir möchten besser verstehen, warum manche Kinder beim Lernen mehr Unterstützung benötigen als andere“, sagt Studienleiterin Dr. Katharina Rufener. „Wenn Hinweise frühzeitig erkannt werden, können Familien und Schulen gezielter reagieren und passende Förderangebote nutzen.“

Im Fokus der Studie stehen ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) und LRS (Lese-Rechtschreibstörung). Beide gehören zu den häufigsten Entwicklungsstörungen im Kindesalter.

Wer kann teilnehmen und was passiert in der Studie?

Eingeladen sind Kinder ab sechs Jahren, die in diesem Jahr eingeschult werden. Teilnehmen können sowohl Kinder, bei denen in der Familie bereits ADHS oder Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten bekannt sind, als auch Kinder ohne bekannte Auffälligkeiten. Alle Gruppen sind wichtig, um Unterschiede in der Entwicklung vergleichen zu können. Die Studie ist als langfristige Beobachtungsstudie am Uniklinikum in Magdeburg und Jena angelegt. Die Forschenden begleiten die Kinder über einen längeren Zeitraum.

Die teilnehmenden Kinder absolvieren spielerische Tests zu Sprache, Lernen und Aufmerksamkeit. Zusätzlich wird die Gehirnaktivität mit einem EEG gemessen. Dabei tragen die Kinder eine spezielle Haube, in die kleine Sensoren integriert sind. Diese liegen auf der Kopfhaut auf und zeichnen die elektrischen Signale des Gehirns auf.

Die Untersuchungen finden in ruhiger und kindgerechter Umgebung statt und werden von einem erfahrenen Team begleitet. Eltern oder Sorgeberechtigte erhalten eine verständliche Rückmeldung zum Entwicklungs- und Lernstand ihres Kindes sowie bei Bedarf eine Beratung. Für jeden Studientermin erhalten die Kinder einen Gutschein im Wert von zehn Euro.

Eine frühzeitige Erkennung könnte helfen, gezielte Unterstützung rechtzeitig einzuleiten. Davon profitieren Kinder, Eltern, pädagogische Fachkräfte und das Bildungssystem. Gleichzeitig betonen die Forschenden, dass Früherkennung kein Urteil über die Entwicklung eines Kindes ist, sondern ein Instrument, um individuelle Stärken und Bedürfnisse besser zu verstehen.

Die Studie wird im Rahmen des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG) gefördert und an den Universitätskliniken in Magdeburg und Jena (PD Dr. phil. med. habil. Carolin Ligges) durchgeführt.

Informationenhttps://kkjp.med.ovgu.de/Studienteilnahme/Fr%C3%BCherkennung+von+ADHS_LRS+bei+Vorschulkindern-p-884.html

Hintergrund: Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG)

Der mitteldeutsche Standort Halle–Jena–Magdeburg ist seit 2023 einer von sechs Standorten des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit. Ziel ist es, Ursachen psychischer Erkrankungen besser zu verstehen und neue Ansätze für Prävention und Behandlung zu entwickeln. Dazu arbeiten Forschung und klinische Praxis eng zusammen.

Kontakte

Dr. phil. Katharina Rufener, Studienleiterin und M.Sc. Lilly Joschko, Studienkoordinatorin, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin des Kindes- und Jugendalters, Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, E-Mail: kkjp@med.ovgu.de, Tel.: +49 (0)391 67 17000

Foto: Im Rahmen der CADDY-Studie absolvieren die teilnehmenden Kinder spielerische Tests zu Sprache, Lernen und Aufmerksamkeit. Mit einer EEG-Haube misst das Magdeburger Forschungsteam währenddessen die Gehirnaktivität der Kinder. Fotograf: Christian Morawe/Universitätsmedizin Magdeburg