Kultkneipe Flowerpower setzt im Kampf ums Überleben alles auf eine Karte

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Janet Knoll bricht Suche nach Alternativobjekten ab und will am Hasselbachplatz bleiben / Fristverlängerung zunächst bis Ende Dezember

Magdeburg. Die Kultkneipe Flowerpower kämpft am Magdeburger Hasselbachplatz um das Überleben ihres Ladens voller Love, Peace und Rock’n’Roll. „Wir haben eine kurzfristige Verlängerung des ausgelaufenen Mietvertrages bis Ende Dezember 2026 erhalten. Das verschafft uns ein kleines bisschen Luft“, sagt Betreiberin Janet Knoll. Einen Umzug an einen anderen Standort hat sie inzwischen so gut wie abgehakt: „Trotz intensiver Bemühungen und wirklich toller Unterstützung auch vom Wirtschaftsdezernat der Stadt, habe ich keine geeignete Lokalität gefunden.“

Janet Knoll erklärt: „Meinem Team und mir ist in der Zeit auch glasklar geworden: Das Flowerpower gehört an den ,Hassel‘ und funktioniert für uns nirgendwo anders in Magdeburg. Auch die Kosten für Ausbau und Umzug wären für mich wirtschaftlich nicht tragbar. Deswegen müssen wir zwangsläufig alles auf diese eine Karte setzen. Wir kämpfen um unser Flowerpower hier am angestammten Platz, wo wir seit nunmehr 20 Jahren sind. Das ist unsere einzige Chance. Es geht dabei nicht nur um die Existenz meiner Familie mit zwei schulpflichtigen Kindern, sondern auch um die Arbeitsplätze meiner sechs langjährig festangestellten Mitarbeiter und die soziale Verantwortung ihnen gegenüber.“

Die Betreiberin sieht ihr Lokal als Opfer der Gesamtentwicklung im Magdeburger Kneipenviertel: „Ich als Betreiberin und meine Gäste sind dafür nicht verantwortlich“, betont sie. Seit Jahren befinde sich das Viertel in einem kulturellen Wandel. Janet Knoll: „Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung speziell in der Einsteinstraße sind aus meiner Sicht seit langem ein vernachlässigtes Thema. Doch dafür sind Polizei und Ordnungsamt zuständig. Unsere Gäste kommen zu uns, um friedlich zu feiern und Spaß zu haben. Und das wollen wir ihnen auch weiterhin ermöglichen.“

Die wachsende Zahl an Spätshops mit Alkoholverkauf bis in die frühen Morgenstunden verschärfe die Situation immer weiter: „Hier müsste es aus unserer Sicht eine klare zeitliche Begrenzung geben, um Konflikte mit Anwohnern zu verringern.“

Die Flower-Chefin sagt aber auch ehrlich: „Gerade im Sommer halten sich auch einige unserer Gäste während unserer Öffnungszeiten mal draußen auf. Das lässt sich kaum verhindern, da unsere Zuständigkeit rein rechtlich auf dem Gehweg vor unserer Tür einfach endet. Wir wollen aber unseren Teil zum guten Miteinander im Viertel beitragen und die nächtliche Geräuschkulisse mindern helfen. Ein Schritt in diese Richtung ist, dass wir unsere Öffnungszeiten dienstags bis donnerstags freiwillig um zwei Stunden verkürzen und ab Juli nur noch von 19 bis 3 Uhr öffnen.“

Darüber hinaus wird das Flowerpower zu seinen Karaoke-Abenden (jeden zweiten Mittwoch) künftig Eintritt verlangen und einen Teil des Eintrittsgeldes als Getränkegutschein ausgeben. „Damit wollen wir im eigenen und im Interesse der Anwohner den ,Pendelverkehr‘ zum Spätshop spürbar einschränken“, erklärt die Flowerpower-Chefin. Sollte es gelingen, die Musikkneipe dauerhaft am „Hassel“ zu halten, plant Janet Knoll außerdem bereits, die Terrassenflächen schnellstmöglich baulich zu umgrenzen. Auch das soll helfen, die Gäste am Ort zu halten und Beeinträchtigungen für das Umfeld zu verringern.

„A und O bleibt aber, dass Stadt und Land hier im Viertel etwas tun, denn an den oft und auch zu Recht kritisierten Zuständen in der Einsteinstraße tragen wir als Flowerpower am wenigsten Schuld“, appelliert Janet Knoll an die Verantwortlichen in Behörden und Politik. Und sie ergänzt: „Leidtragende einer endgültigen Schließung wären unsere Mitarbeiter und unsere Gäste, die auch einen wichtigen sozialen Treffpunkt verlieren würden. Am kritisierten Gesamtzustand rund um den Hasselbachplatz würde sich dadurch aber nichts ändern.“

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Quelle: Christian Schulze / agentur pres(s)tige am 20. Juni 2026

Foto: Janet Knoll (c) Robert Richter