Manchmal ist Liebe kein Rettungsanker, sondern der Grund, warum zwei Menschen viel zu lange nicht loslassen. „Mein Gift“ erzählt nicht vom Ende einer Beziehung, sondern von dem Moment davor, wenn man längst weiß, dass Nähe verletzt, aber Distanz noch unerträglicher scheint. Wenn Schuld, Sehnsucht und Hoffnung ineinanderfließen, bis keiner mehr sagen kann, wo das eine aufhört und das andere beginnt. TumirWeh schreibt über diese Widersprüche mit einer Sprache, die sich konsequent gegen den schnellen Effekt entscheidet. Seine Bilder sind präzise, seine Beobachtungen unbequem, seine Songs wirken wie Tagebucheinträge, die nie dafür gedacht waren, laut vorgelesen zu werden.
„Reicht die Liebe zueinander, um eine Beziehung zusammenzuhalten? Sicher nicht. Sie macht alles nur unerträglicher. Gerade dann, wenn man weiß, dass das eigene Verhalten und persönliche Bedürfnisse dem Partner schaden. Eine Trennung aufgrund des inneren Konflikts zwischen unerreichbaren Zukunftsphantasien und der Erkenntnis des eigenen Scheiterns künstlich hinauszuzögern, bricht dabei stets beide Menschen. Selbst wenn man sich einredet, durch diese Trennung schlussendlich weiteres Leid zu vermeiden. Herzen brechen eben nicht, wenn man vorher miteinander bricht.“ – TumirWeh
Der 21-jährige Singer/Songwriter fiel im Dezember 2025 erstmals auf, als sein erstes, an Heiligabend veröffentlichtes TikTok tausendfach geteilt wurde und positive Reaktionen von Künstlerinnen wie Nina Chuba erhielt. Auf die virale Aufmerksamkeit folgte mit „Lippenstift“ seine Debütsingle. „Mein Gift“ führt diesen Weg konsequent weiter und unterstreicht TumirWehs ganz eigene Handschrift.
Irgendwo zwischen der erzählerischen Präzision eines Reinhard Mey und der emotionalen Unmittelbarkeit der neuen deutschsprachigen Indie-Generation um Berq oder Provinz entsteht eine Form von Songwriting, die sich Zeit nimmt. Für Zwischentöne. Für unbequeme Wahrheiten. Und für Sätze, die noch nachhallen, wenn der Song längst vorbei ist.
Text/Foto: Universal Music
