„Ich musste vieles noch einmal komplett neu lernen, aber es hat sich gelohnt.“
Magdeburg. Als der Krieg 2022 in der Ukraine begann, flüchtete Anna Dylchenko nach Deutschland. Die ausgebildete Hebamme fand zunächst einen Job im Bereich Altenpflege, wollte dann aber doch zurück in ihren alten Beruf. Dafür nahm sie ein Anerkennungsjahr sowie eine aufwendige Kenntnisprüfung in Kauf. „Ich musste vieles neu lernen, weil Hebamme sein in Deutschland doch anders ist als in der Ukraine“, erzählt die 42-Jährige. Nun hat sie die Prüfung bestanden und arbeitet in der Geburtshilfe des Klinikums.
17 Jahre lang hatte Dylchenko in ihrer Heimat als Hebamme gearbeitet – in Poltawa, einer Stadt zwischen Charkiw und Kyjiw. Orte, die man leider aus den Nachrichten inzwischen allzu gut kennt, weil wir immer wieder hören, dass Bomben auf sie fallen. „Der psychische Druck ist enorm, wenn Du auf Dein Handy schaust und liest, dass Deine Stadt bombardiert wurde“, sagt Dylchenko.
Ihren Mann, ihren Bruder und ihre alte Mutter musste sie zurücklassen. „Männer dürfen ja nicht die Ukraine verlassen und meine Mutter ist zu alt, um noch zu flüchten“, sagt Dylchenko. Nur ihre Tochter ist mit nach Deutschland gekommen. Beide mussten erst einmal deutsch lernen, parallel zum Job und zur Schule.
In der Ukraine war sie in einer Klinik beschäftigt, die 3.000 Geburten pro Jahr absolviert – das ist echt eine Menge. Pro 24-Stunden-Schicht waren sie für neun Kreißsäle zwei Hebammen und zwei Ärzte. „Das ging manchmal einfach nur Zackzack“, erinnert sich Dylchenko. „Wir hatten auch keine zentralen Überwachungsmonitore oder Klingeln für die Schwangeren in den Kreißsälen. Das heißt, wir waren eigentlich immer auf den Beinen und mussten in den Kreißsälen nach dem Rechten sehen.“ In einer dieser Schichten habe sie mal 17 Babys zur Welt gebracht, ihre Kollegin 9, das war Rekord.
Auch sei es in der Ukraine üblich, dass die Ärzte zur Geburt mehr machen. In Deutschland hingegen seien die Hebammen viel eigenständiger. Auch manche Dosierungen von Medikamenten seien in Deutschland anders. „Ich musste vieles noch einmal komplett neu lernen, aber es hat sich gelohnt. Ich freue mich so sehr, dass ich wieder in meinem alten Beruf arbeiten kann“, sagt Dylchenko. „Und ich möchte auch allen im Team der Geburtshilfe danken, die mich bei meinem Weg begleitet haben, besonders natürlich Fr. Knuth.“ Zudem sei es für sie eine echte Hilfe gewesen, dass das Klinikum Integrationsmanagerinnen hat, gerade bei den bürokratischen Anforderungen.
Foto: Anna Dylchenko (c) Klinikum Magdeburg
